Im Zuge meiner neuen Berlin Aufnahmen landete ich zwangsläufig auch vor der neuen Wache. Ein großer, schmuckloser, dunkler, vergitterter, toter Raum, für den Boden wurde tatsächlich die Erde aus den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs und aus Konzentrationslagern zusammengetragen, darin begraben wurde stellvertretend für die unzähligen Opfer ein KZ-Häftling und ein toter Soldat. Früher wurde dort Ehrenwache gehalten, wie vorm Buckingham Palace. Tiefste Demut und Respekt.
Heute gibt es keine Ehrenwache mehr, in der Mitte des Raumes, auf den Gebeinen des KZ-Häftlings und des toten Soldaten in "blutgetränkter Erde", steht nun eine in diesem Kontext schon kitschig bis geschmacklos, ja fast despektierlich wirkende Skulptur von Käthe Kollwitz und das Mahnmal wurde unter ein neues, sehr allgemeines, eher edles denn deutsch-historisches Motto gestellt: "Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft".
Es hat mich angewidert.
Mindestens genauso widerlich, ignorant und im höchsten Maße peinlich finde ich das Holocaust-Mahnmal: Knapp 20.000 qm bester Baugrund in bester Lage mitten in Berlin, Verkaufswert 40 Mio EUR, bebaut mit (zugegebenermaßen eindrucksvollen) Betonklötzen im Wert von knapp 30 Mio EUR, mit jährlichen Unterhaltskosten von über 2 Mio EUR. Ein Mahnmal für die ermordeten Juden.
Was ist mit den Sinti und Roma, den Homosexuellen, den körperlich und / oder geistig Beeinträchtigten, den ...
Da schäme ich mich, dass "deutsch" in meinem Ausweis steht.