Beiträge von Margin

    Jetzt gibt es natürlich richtig viele Für und Wider - noch mehr als vorher. Dennoch finde ich es richtig gut, dass sie sich letztendlich doch zusammengerauft haben. Der Rest wird sich finden und vorbei ist es ja auch noch längst nicht. Zusätzlich gefällt mir, dass das ganze Getöse von Grexit bis Referendum sich als genau das herausgestellt hat, was es vorher schon zu sein schien: Ein Strategiespiel zur Stärkung der jeweils eigenen Verhandlungsposition. Womit soll man sich sonst auch Aufplustern oder Druck machen, wenn man eigentlich überhaupt keine Handhabe hat.

    Guppy das mit dem Sozialsystem in Griechenland basiert noch auf dem Prinzip der Großfamilie, ist also auch steuerseitig bereits so geplant, während bei uns die Sozialhilfe über die Gemeinschaft (Steuern) mitfinanziert wird. Von daher ist das so nicht vergleichbar. Eigentlich, also wenn alles so laufen würde, wie es sollte, hätten sie durch die fehlende Option der staatlichen Sozialhilfe unserem System gegenüber nicht wirklich Nachteile bis zur Rente. Bei uns ergab sich ja eher das umgekehrte Problem, wodurch die staatliche Sozialhilfe notwendig wurde, der rapide Rückgang der Großfamilie.

    Zitat

    Die härteste Haltung nimmt Finnland ein. Der finnische Finanzminister Alexander Stubb soll von seiner Regierung den Auftrag haben, einen Grexit zu erreichen.


    *** Link veraltet ***

    Zitat

    14.03 Uhr - Eurogruppe legt Forderungen vor
    unter anderem:

    • Im Jahre 2018 muss der Primärüberschuss (Haushaltssaldo ohne Schuldendienst) bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen
    • Eine Rentenreform
    • Eine Reform des Arbeitsmarkts
    • Privatisierungen


    *** Link veraltet ***

    Ich finde leider wenig Informationen, wo sich die Regierungen der anderen Länder äußern.

    Sind auch dünn gesät und schwer zu finden. Am ehesten in Interviews der jeweiligen Finanzminister. Bezeichnend ist, dass alles, was ICH bislang gefunden habe, eher weniger zum Schuldenschnitt tendiert - quer durch ALLE EU-Staaten. Die Beweggründe dafür kann man grob in 2 Gruppen zusammenfassen. Die einen stecken tief mit drin und würden ebenfalls kräftig draufzahlen. Die anderen fürchten, richtig in die Bredouille zu kommen, weil das eigene Volk kämpfen muss / musste und die Griechen in dem Fall dann nicht, weniger, wie auch immer ... Bei der 2. Gruppe könnte man auch schlicht sagen, sie finden es unfair.

    Das einzige Land, das ich bislang finden konnte, dass eindeutig dafür ist, ist Griechenland - verständlicher Weise. Je größer, je lieber - verständlicher Weise. (Würden sie "nein" sagen, würde man ihnen die kompletten Schulden erlassen? ^^ )

    Deutschland ist offen dagegen - verständlicher Weise. Trägt Deutschland doch den größten Batzen. Wäre es nicht auch denkbar, dass das eine oder andere Land heilfroh ist, dass Deutschland diesbezüglich relativ klar Position bezieht? Kommen sie doch so selber drumrum, sich die Buhmann-Plakette anzuheften. Wer lässt schon nicht gerne einem Dritten den Vortritt, wenn es um das Verkünden unpopulärer Entscheidungen geht, bei denen zu erwarten ist, dass man anschließend zur Zielscheibe wird?! ^^

    Cura, bevor Du dich weiter verrennst. Nicht, Ich mag Dich! Es ist ganz im Gegenteil ein Zitat aus deinem eigenen Posting, genauso wie das Heranziehen des Herrns aus Braunau am Inn. Beides käme mir als eigene Formulierungen kaum über die Tastatur. Formal hätte es in einem offiziellen Schreiben korrekter formuliert werden müssen. Aber wer rechnet schon damit, dass Du Deine eigenen Texte nicht erkennst.

    Immer diese Diplomatie, Herr Guppy ^^
    Genau die fehlt mir an manchen Tagen, wenn ich Hasstiraden auf deutsch / Deutsche / Deutschland lese. Mal gehts, mal weniger :floet:

    Nein, keine Zustimmung, die ist wohl kaum zu erwarten, sondern nur das Statement, dass es neben Deutschen-Bashing auch noch andere Meinungen gibt. Ich versuche es mal ohne makaberen Zynismus:

    Völlig unstrittig ist, dass extrem viel "schief gelaufen" ist und was passieren muss. Ebenfalls ist das völlig unstrittig, was Du so beschreibst, "Ich hätte übrigens auch mit OXI gestimmt. "

    Der Punkt, an dem ich anders denke, ist folgender: Von Anbeginn, schon in den Wahlversprechen und später immer wieder wiederholt stand fest, dass Tsipras einen Teilschuldenerlass anstrebt und weitere Kredite nur zu humaneren Bedingungen will, wenn irgendwie möglich. (Von mir oben zynisch als "für lau" bezeichnet.) btw. Es ist sein Recht, es ist nötig, es ist vernünftig - unstrittig.

    Nun kommt die Volksabstimmung und genau an diesem Punkt fängt für mich die Farce an. Ich hätte im Gegensatz zu Dir überhaupt nicht abgestimmt. Ich hätte mich vereimert gefühlt. Wozu? Was nützt es mir, den Geldgebern zu sagen, ich hätte aber gerne bessere Bedingungen. Was hab ich davon. Was interessiert die das, wenn die Griechen nun auch noch "amtlich feststellen", dass sie gerne andere Konditionen hätten?

    Irgendwie seh ich das alles viel simpler. Und das Statement, nun wüssten die deutschen Politiker mal, was Demokratie ist, das ist für mich derart verquer ...

    Das was da abgegangen ist, war nach meinem Empfinden die größte Schweinerei, die eine Demokratie überhaupt ausspucken kann und nichts weiter als ein weiterer Meilenstein der Tsipras-Regierung, quasi Planziel. Es stand an keiner Stelle der Verbleib in der EU zur Debatte, dies wurde sogar ausdrücklich wiederholt betont. Es war nicht einmal an irgendeiner Stelle seitens Griechenland ein Ausstieg aus dem Euro in Erwägung gezogen worden. Es ging schlicht um eine ganz simple Frage, die sauber verklausuliert den Bürgern gestellt wurde: Wollt Ihr Hilfe für umsonst oder wollt Ihr Eure Schulden zurückzahlen. Und diese Frage hätte man dem letzten Penner stellen können, er hätte gewiss im Sinne Tsipras geantwortet. Geld? Umsonst? Her damit!

    Tsipras hat nun genau das erreicht, was er vom ersten Tag an erreichen wollte: Eine scheinbar demokratische Legitimation, sich den Rückzahlungen zu widersetzen. Das die Hilfen real schon aus humanitären Gründen überhaupt nicht eingestellt werden können, ist dem völlig bewusst. Nur jetzt hofft er, kriegt er sie umsonst, da er ja ein demokratisches Druckmittel in der Hand hat.

    Und die demokratische Schweinerei an der Sache? Ganz einfach, frage ich jeden einzelnen ob er Geld für umsonst haben will, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er ja sagt. Frage ich aber andere, ob sie Geld für umsonst abgeben wollen, würde wohl in der Mehrheit ein nein kommen. Würde ich jeden einzelnen Deutschen (Holländer / Belgier / Franzosen ...) fragen, ob sie 90 Milliarden verschenken und zusätzlich weitere Milliarden kostenlos obendrauf packen wollen, wäre die Antwort wohl nein gewesen.

    Es ist völliger Irrsinn, die Empfänger zu fragen, ob sie zurückzahlen wollen, die Geber aber dabei vollständig zu ignorieren. Im Übrigen frage ich mich, was dieses ständige Merkel-Bashing soll. Sind alle anderen Regierungen in der EU unfähig selbst zu denken? Sitzt der Schäuble als einziger Finanzminister in der Verhandlung und die übrigen 18 nicken nur? Wenn ja, gehört das Bashing wohl eher an die Adresse der Nicker.