Na, Guppy, man muss schon unterscheiden. Was sind eventuelle Ressentiments, Vorurteile, manchmal auch Dummheit, die überall anzutreffen sind.
Ich bin in Frankreich auch schon beschissen behandelt worden, besonders im tiefen Frankreich und besonders, wenn gemerkt wurde, dass ich "Deutscher" bin, obwohl das ja nur zur Hälfte stimmt, aber das steht mir ja nicht auf der Stirn geschrieben. Das sind halt z. T. noch alte Empfindlichkeiten die aus den Kriegen herrühren. Kann ich sogar nachvollziehen. Wenn da jemand, auch wenn mittlerweile Generationen vergangen sind, jemanden aus der Familie durch z. B. die Nazis verloren hat. Da erweckt dann die Begegnung mit einem Deutschen oder der deutschen Sprache spontan unangenehme Empfindungen. Und nicht jeder kann damit umgehen.
Aber es gibt schon Eigenheiten, die man einem "Volk" zurechnen kann, deshalb zurechnen kann, weil das anderswo so nicht anzutreffen ist. Das merkt man verstärkt, wenn man in anderen Ländern lebt, aber auch dann nicht auf Anhieb, es braucht schon etwas tiefer eintauchen.
Ich bin ja jetzt schon ewig aus Deutschland weg und mit der Zeit hat sich auch mein Blick auf Deutschland verändert. Heute fällt mir auf, was mir vorher nie aufgefallen ist, wie z. B. ein viel stärker ausgebildetes Aggressionspotenzial als in anderen Ländern, die oft anzutreffende schlechte Laune, das Gefühl von "gehetzten" Menschen umgeben zu sein. Was in Deutschland immer noch anzutreffen ist, dass es als unhöflich empfunden wird, nach 20 Uhr anzurufen oder kommen zu wollen. Das stammt noch aus der Zeit des Einfernsehsenderlandes. 20 Uhr Tageschau, 20 Uhr 15 Tatort.
Die Niederländer z. B. gelten ja in der ganzen Welt als absolut tolerant. Aber auch da trügt der Schein. Die scheinbare Toleranz ist in Wirklichkeit nur ein "Nichtaneckenwollen". Die Niederländer wissen, dass alle Welt sie als tolerant und somit "modern" sieht und plegen diesen Mythos. Die Niederländer sind sehr nah an den Deutschen dran, auch in der Sprache, Niederländisch könnte auch ein ganz unverständlicher deutscher Dialekt sein. Halt Dich mal in den Niederlanden in einer propenvollen Kneipe auf, da kriegste dauernd irgendwelche Ellbogen ins Kreuz, wirst angerempelt, die stehen Dir auf den Füssen drauf. Da braucht es schon ne zeitlang, umzu merken, dass das Dir nicht persönlich gilt. Obwohl proppenvoll benehmen die sich als hätten sie zwei Meter Freiraum um sich herum. Das würde ich z. B. als typisch "holländisch" sehen, das habe ich so in keinem anderen Land gefunden, ebenso wie die Eigenart, selbst im Parterre keine Gardinen oder Rolläden an den Fenstern zu haben und so jedem abends den Einblick in Leben und Wohnung zu gewähren, was aber von den Niederländern keiner macht, als Ausländer muss man das erst mal üben; den Kopf nicht autmatisch nach rechts oder links zu drehen.
Lange hat es gebraucht die Spanier "kennenzulernen", die mir immer als sympathisch erschienen, was sich mittlerweile aber arg gewandelt hat. Klar nicht alle sind viel zu laut, aber das Gross und nicht alle halten Ausländer generell für dumm, bzw. sie sich selbst für sehr viel schlauer, aber das Gross und nicht jeder Spanier bescheisst selbst seine besten Freunde, wenn er das kann, aber das Gross. Nicht alle neigen zum masslosen übertreiben, wenn sie sich denn mal entschlossen haben was zu tun, aber das Gross. NIcht jeder Spanier denkt lediglich von 12 bis mittag, aber...
Es dauert halt ne zeitlang zu merken, dass Vorkommnisse keine Ausnahmen sind, sondern eher die Regel. Du kannst mit einem befreundeten Spanier um 18 Uhr in seinem Haus verabredet sein, Du bist um 18 Uhr da, er noch unterwegs, dass seine Frau Dich im Haus auf ihn warten lässt ist auch eher die Ausnahme als die Regel, was aber nicht an den Frauen liegt. Die Pseudomachos trauen sich gegenseitig nicht. Speudomachos deswegen, weil in Wirklichkeit die Frauen das Heft in der Hand halten. Die Herren machen auf wichtig und die Frauen bestimmen wo es langgeht. Ich weiss wovon ich rede, ich bin mit einer Spanierin zusammen, die ich auch heute noch regelmässig daran erinnern muss, dass ich kein Spanier bin. Und ich kriege auch mit, was in ihrer zahlreichen Familie so los ist.
Es gibt also schon Eigenarten die in bestimmten Ländern anzutreffen sind und in anderen halt nicht oder so gut wie nicht. Syno hat das eigentlich mit "Gehört zu Deutschland" besser formuliert als ich mit meinem "typisch" deutsch.