Es reisst nicht ab. Komme gerade aus dem Krankenhaus. Kann mich nur noch bewegen, wenn ich mich mit zwei Händern abstützen kann, ansonsten wandere ich mit nen Gartenstuhl durchs Haus. Am Hintekopf hab ich ne schöne Platzwunde, die mit vier Nadeln getackert wurde. Es gibt angenehmere Freizeitbeschäftigungen.
Ich bin um 01 Uhr heute nacht mit dem Fahrrad und einem meiner Köter raus, um meine Kleine zu suchen. Bin nicht weit gekommen. Weil ich mir denke, dass sie sich nicht im Ort in den Strassen aufhalten wird und zur Sicherheit in den Kampus ausgewichen sein wird, so sie den Ortsrand gefunden hat, bin ich also auch überall ein Stück in den Campus und Stockdunkle reingefahren, geteerte Strassen, jedenfalls noch 500, 1000 Meter. Ich war nicht weit drin, vielleicht 150, 200 Meter. Die Lampe des Fahrrads hatte ich in der Hand, um rechts und links in die Landschaft zu leuchten.
Und prompt hab ich ein Riesenloch (Spanien!) in der Strasse übersehen und Fahrräder machen halt das, was sie machen, wenn das Vorderrad plötzlich atrupt abbremst. Ich bin also im Dunkeln gestürzt und ausgerechnet mit dem Becken aufgeschlagen, wo ich schon seit Jahren ein Blech und drei Schrauben drin hab. Erst mit dem Becken, dann mit dem Hinterkopf. Gut, am Ellbogen und an den Füssen hab ich auch noch ein paar Blesuren, die sind aber nicht der Rede wert.
Einen Bruch konnten sie im Krankenhaus nicht feststellen, aber die Schrauben, welche ich drin hab, haben zumindest einen kräfitigen Schlag erhalten. Aufs Fahrrad steigen ging wegen der Schmerzen nicht mehr, also hab ich das Fahrrad als Stütze genutzt. 10 Meter in gefühlt fünf Minuten. Am ersten Haus der Bebauung hab ich dann, an den Zaun gelehnt versucht wieder aufs Fahrrad zu kommen. Ging nicht, höllische Schmerzen. Einer der dort wohnt und nach draussen kam, um eine Zigarette zu rauchen, hat mich (und den Köter) nachhause gefahren. Eine Ewigkeit, um in sein Auto reinzukommen, zwei Ewigkeiten, um wieder rauszukommen.
Jo, und dann hat mein Baby mich ins Krankenhaus gefahren. Die wollten mich da behalten. Aber ohne einen Wodka-Apfelsaft kann ich ja mittlerweile kaum noch schlafen, zumindest nicht, wenn ich nicht totmüde bin, also; nachhause. Morgen um elf soll ich wieder dort sein, da ist der Traumatologe da. I. M. keine Ahnung, ob ich den kennenlernen möchte. Im Moment bin ich wenig zu irgendwas motoviert, was vielleicht daran liegt, dasse mir Valium in den Arsch gespritzt haben.
Auf alle Fälle ist für die nächste Zeit wohl angesagt: Mir in der Küche meinen Wodka-Apfelsaft machen und den zum Rechner transportieren, fällt bis auf Weiteres aus. Ich brauch beide Hände um nicht umzufallen. Das linke Bein knickt mir weg, wenn ich es normal belaste. Und klar, etwas schmerzhaft ist es auch.
Und meine Kleine, so sie denn noch lebt, wird wohl irgendwo vor Angst bibbernd hocken, richtig Durst und auch Kohldampf haben. Der Gedanke daran tut mir weh. Das beschäfigt mich im Moment mehr.