Also ich muss für mich feststellen, dass mir das was da in der Ukraine passiert mittlerweile immer mehr am Arsch vorbeigeht. Mich nerven schon die Schlagzeilen. Unser Bundespräsident war in Kiev und hat sich mit dem grünen Zwerg fotografieren lassen. Und natürlich brachte er auch gleich Zusagen zu neuen Waffenlieferungen mit. Selensky sagte mal, dass in Kiev keiner mit leeren Händen aufzutauchen braucht. So geht das, es wird eingeladen und gleichzeitig signalisiert, dass doch ein paar kleine, besser aber grössere, Geschenke mitzubringen sind. Mittlerweile macht es den Eindruck, als ob Europa von Kiev aus regiert wird.
Ich rufe die Berliner Zeitung auf und was springt mir entgegen? Biermann, ein Bänkelsänger der immer schon nichts als heisse Luft verströmte richtet sich aus dem Vorhof des Hades und Vergessens an die Lebenden und nennt Precht und Welzer "Secondhandkriegsverbrecher".
Diese ganzen Schwätzer, ob sie nun Unrecht haben (nach meiner Meinung), teilweise Recht haben oder auch fast zur Gänze gehen mir mit ihren wichtigtuerischen, herabsetzenden Wortschöpfungen nur noch auf die Eier.
Und ich stelle bei mir auch fest, dass sich mein Mitgefühl mit den Ukrainern immer mehr reduziert. Was sie mit dem Krieg machen ist ihre Sache und ganz allein ihre Sache und das uneingeschränkt. So wie es aussieht unterstützen sie ja alle ihren Präsidenten, der davon träumt die Ukraine russenfrei zu machen. Sie unterstützen ihren Präsidenten, der natürlich in die Städte die er zurückerobern will mit Raketen und Granaten reinhalten muss.
Im Iran gehen Menschen für das mit dem sie nicht einverstanden sind unter Lebensgefahr auf die Strasse. In der "demokratischen" Ukraine, wo das gefahrlos möglich sein sollte, zeigt sich kein Unverständnis für die Tagträume ihres Präsidenten und die noch weitergehenden Träume seiner Mitarbeiter, die soweit gehen, dass sie davon träumen in Moskau einzumarschieren und Putin die Atomwaffen wegzunehmen. Es geht niemand auf die Strasse der einen, wie auch immer gearteten Waffenstillstand, Frieden oder zumindest die Bereitschaft dazu fordert. In einer Demokratie ist das Volk der Souverän und wenn dieser Souverän zu allem schweigt, was auch als Billigung interpretiert werden kann und möglicherweise auch ist, dann muss der Souverän auch halt mit den Folgen leben.
Wenn die Ukraine auch einen normalen Wahlzyklus von vier Jahren hat müssten im nächsten Frühjahr Wahlen anstehen. Wie soll das mit einer ausgeschalteten Opposition und gleichgeschalteten Presse gehen? Und wieso ist es in einer sich im Krieg befindlichen Demokratie überhaupt notwendig die Opposition zu eleminieren? Fragen, mit denen sich die demokratischen Führer der europäischen Demokratien mal langsam auseinandersetzen müssten bei den Überlegungen zur Unterstützung. Jeder weiss, was Selensky will, aber keiner weiss was das Volk, der Souverän will.