>> Aus einer guten Situationsbeschreibung heraus selten solche (für mich) schwachsinnigen populistischen Schlussfolgerungen und Erklärungen gelesen.
Wegen der Situationsbeschreibung hatte ich es eingestellt.
Was die Schlussfolgerungen angeht: Mit meinen Augen gesehen muss ich sagen: Sicherlich war das nicht konkrekt so motiviert und durchdacht, es lässt sich aber auch nicht ausschliessen, dass diese Grundhaltung ursächlich für die gezeigte Respektlosigkeit war und ist.
Ein Freund von mir hatte in den 80ern, 90ern in der Innenstadt eine Disco und die üblichen Schwierigkeiten die man halt mit Discos an der Tür so hat. Während des Libanonkonflikts und mit dem Ende des Libanonkonkflikts kamen dann ganze Horden von "Kämpfern" aus diesem Konflikt nach Deutschland und die sind dann auch in grösseren Gruppen in der Disco meines Freundes James eingelaufen und um zu zeigen wer der Herr im Haus ist haben die mal als erstes ihre Kampfbeile in die Buffetplatte gehauen. Mein Freund James war schlau genug nicht sofort die Polizei zu rufen und versuchte es mit Deeskalation und Diplomatie, was auch anfangs ganz gut funktionierte, das "devote" Verhalten kam an.
Trotzdem wollte er sie nicht auf Dauer drinhaben und verstärkte die Tür und die argumtierte in der Folge diplomatisch mit Sachen wie: "Laden zu voll, geht jetzt nicht". Abgewiesen zu werden (von einem (deutschen?) Mann) ging natürlich gegen ihre Ehre, es kam dauernd an der Tür zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, irgendwann hatte einer der Türsteher ein Messer im Rücken, das ihm einer reingesteckt hatte, der sich bereits im Laden befunden hatte.
Irgendwann stellte mein Freund James dann eine Frau ganz nach vorne, welche nun die Konservation und das Zurückweisen übernahm und einige Libanesen als Schutzschild hinter sie. Nun von einer Frau abgewiesen zu werden ging natürlich noch mehr gegen ihre Ehre, allerdings gaben sie sich auch nicht die Blösse gegen eine "schwache" Frau gewalttägig zu werden. Dass sich ihnen nun Landsleute hinter der Frau in den Weg stellten verletzte ihre Ehre anscheinend wesentlich weniger als es zuvor die Barriere aus NIchtmuslemen getan hatte. Allerdings kam es mit dieser nun aus Landsleuten bestehenden Barriere immer wieder zu lautstärksten verbalen Auseinandersetzungen, natürlich in ihrer Muttersprache mussten sie sich Beleidigungen vom Allerfeinsten anhören, weil sie sich von einer Frau "befehligen" liessen.
Kurz nachdem meine Ex sich als Rechtsanwältin zugelassen hatte rief in ihrer Kanzlei immer wieder eine Frau an, die immer mit sehr leiser Stimme sprach. Deutsche, die einen Araber geheiratet hatte, ihren Namen nannte sie nie. Sie schilderte, dass sie mit ihrem Mann in einer kleinen Wohnung lebte und dass sie den ganzen Tag im Schlafzimmer verbringen müsse, weil ihr Mann täglich Besuch von Freunden hatte, die seine Frau nicht sehen durften. Sie sagte immer wieder, dass sie aus dieser Ehe raus wolle, aber Angst hätte. Alle Beratung meiner Ex verlief jedoch völlig ergebnislos. Das ging über Monate so, irgendwann hörten die Anrufe dann auf.
Gut, dass sind alles Einzelbeispiele, die aber trotzdem nicht sofort als Ausnahmen deklariert werden sollten.
Ich hab ja selbst in meinem Bekanntenkreis viele aus diesem Kulturkreis, mein Nachbar in Frankreich stammte aus dem Magreb. Er wohnte in der Nähe mit seiner Familie in einem dieser Migrantenviertel, die um die Jahrtausendwende brannten, wollte raus und hatte die Ruine neben mir für kleines Geld gekauft. Da werkelte er dann täglich, so wie er Geld hatte, dran rum, wahrscheinlich werkelt er noch heute und lebt seinen Traum. Ich kam mit dem wunderbar aus, er lud mich immer wieder zum Hammel- oder Ziegenessen ein, Viecher, die er selbstverständlich nach alter Tradition geschächtet hatte, obwohl das in Frankreich seit langer Zeit verboten ist. "Unter uns Männern" lief das wunderbar, sobald aber seiner Familie mal da war änderte sich das. Er sagte zwar nie etwas, es war jedoch deutlich zu spüren, dass es ihm dann lieber war, wenn ich mich von seinem Gründstück fernhielt. Von mir erwartete er wohl, dass ich wissen muss, was ihre Spielregeln sind.
Mit anderen ist es dasselbe. Ich kann mit denen nicht reden wie ich mit meinen mitteleuropäischen Bekannten und Freunden. Hier, ein paar Häuser weiter, lebt auch eine Familie aus dem Magreb. Besonders religös erscheinen sie mir nicht. Mit ihm bin ich in der letzten Zeit mit Blabagesprächen etwas wärmer geworden. Ist so ein netter Kerl, irgendwann fiel dann in einem solchen Blablagespräch das Stichtwort Islam. Es genügte von mir zu sagen, dass ich an keinen Gott glaube, egal wie er heisst und sofort wurde das Blabla dann "offiziell", ich musste mit "Komm, lass gut sein, ich lass Dir Deinen Glauben, lass Du mir meinen" abblocken.
Mein, unser Problem ist, dass wir nie und nicht wissen, wo bei denen die Grenze liegt an der sie sich in ihrer Ehre tangiert fühlen und das ist nicht nur die ganz persönliche Ehre, sondern auch die Ehre ihrer Familie, ihres Volksstammes, die Ehre ihres Vaterlandes, die Ehre von was auch immer. In ihren Augen verhalten wir uns oft "ehrlos" und aus ihrer Sicht ist es schwer Menschen denen ihre "Ehre" egal ist zu respektieren.
Einer aus dem Magreb der hier lebt erzählte mir vor kurzem, dass eine in Marokko vergewaltigte Frau nur noch zwei Möglichkeiten hätte: Den Vergewaltiger zu heiraten oder in die Prostitution zu gehen. Kein Mann von "Ehre" würde eine Frau heiraten, die zuvor von einem anderen Mann entehrt wurde. Meine Schlussfolgerung, dass ein Marokkaner dann folglich keine europäische Frau mit "Vorgeschichte" heiraten dürfte bestätigte er. Geheiratet werden nur unberührte Jungfrauen. Die ZIgeuner in Spanien halten es ebenso. Nun gibt es aber viele mit dieser Denke die europäische Frauen mit Vorgeschichte heiraten und mir stellt sich dann die Frage, warum sie das tun und wie eine solche Ehe sich dann gestaltet, schliesslich gibt es da genug Landsleute die ein solches Verhalten als ehrlos empfinden.