Du glaubst wirklich, dass wir wegen sowas zu Feinden werden könnten?
Syno, Du musst ja nicht alles lesen und schon gar nicht auf alles antworten. Wie z. B. auf meine Anmerkung zu Spanien > Deutschland, mit der ich lediglich zum Ausdruck bringen wollte, dass man im Moment nichts an irgenwas festmachen kann.
Ich rege mich ja nicht umsonst über die allgemeine Sprachwahl auf und plädiere dafür, dass man sich doch so präzise als möglich und so wenig Angst machend als möglich ausdrücken soll.
Ich bin hier nur noch von Leuten in Panik oder kurz davor umgeben, die mich langsam wahnsinnig machen.
Die Schwester meines Babys zieht sich 10 Stunden am Tag alles rein, was zum Virus und den Geschehnissen im Land gesendet wird. Seit der Ausgangssperre hockt die mir hier stundenlang im Haus und wenn sie kommt, muss als Erstes der Fernseher angemacht werden. Corona, Corona, Tote, Tote. Meinungen, Meinungen, Prognosen, Prognosen.
Ich sage zu den grossen Zahlen, die auch hier immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt werden z. B.: "Jo, das sind Berechnungen für das Schlimmste was passieren könnte, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass das Schlimmste auch passieren wird."
Die Frage taucht im Fernsehen auf, irgendeiner beantwortet die Frage kurz: "Ja, die Zahlen sind leider real".
"Haste gehört, die Zahlen sind real. Verdad". Verdad = wahr.
Die andere Schwester, auch keine Dumme, fabuliert davon, dass das Virus überall auf der Welt gleichzeitig in Umlauf gesetzt wurde, um die Alten auszurotten.
Wenn ich dazu sage, "Jo, guud, man soll nie nie sagen, wenn man etwas nicht weiss, aber ich glaube das nicht", wird mir das als Bestätigung ausgelegt, nicht so ganz, aber fast, weil ich es nicht eindeutig verneine. Und mein Baby und ihre Geschwister sind keine Ausnahme, denen hat man so die Birne zugeknallt, dass sie das Sortieren nicht mehr geregelt kriegen.
Auch die Polizei hier im Ort redet nur noch mit einem, wenn man z. B. ne Frage hat, nur noch aus fünf Metern Entfernung, wobei sie im Auto sitzen bleiben und die Scheibe nur halb herunterkurbeln.
Vorgestern war ich mit meinem Baby draussen am meinem Auto, sie stand etwa vier, fünf Meter von mir entfernt, mein Nachbar war mit seinem Auto gekommen und kam uns entgegen. Er war noch so 10 Meter entfernt und ich hab einen Scherz gemacht, meinem Baby, Panik simmulierend, zugerufen: "Baby renn, es kommt ein Mensch". Da hat eine Hausfrau, die auf der anderen Strassenseite mit zwei Einkaufstüten unterwegs war und die ich nicht gesehen hatte, ihre Einkaufstüten fallen lassen ist ist weggerannt.
Heute wurde eine Arbeitskollegin meines Babys entlassen, weil die Geschäftsleitung erfahren hatte, dass sie übers Wochenende in Madrid war.
Die Laune meines Babys wird von Tag zu Tag schlechter, was auch damit zu tun hat, dass sie, ihre zwei Schwestern und ihr Bruder sich 24 Stunden am Tag um ihren 91-jährigen Vater kümmern müssen. Dem wurde vor zwei Monaten ne neue Hüfte eingesetzt, zusätzlich hat er Parkison und Alzheimer. Tagsüber schläft er in seinem Sessel, wenn er wach ist fordert er Zigaretten, Kaffee, Essen. Nachts schläft er nicht, versucht im Haus auf Wanderschaft zu gehen, ruft nach seiner verstorbenen Frau.
Hat zur Folge, dass mein Baby, der Bruder wohnt im Haus, die Schwestern sind abwechselnd für jeweils einen Tag im Haus, nachts kein Auge zumachen kann und dann total übermüdet morgens zur Arbeit geht.
Und eben konnte ich mir anhören: "Du hast ja kein Risiko, Du bist den ganzen Tag zuhause, ich bin diejenige die täglich raus muss".
Vor einigen Monaten klang das noch so: "Jo, ich kann verstehen, dass Dir die Decke auf den Kopf fällt, ich komme ja wenigsten mehrmals am Tag raus und sehe was anderes".
Panik ist wie eine ansteckende Krankheit, besonders, wenn viele davon befallen sind. Sie lässt die Infizierten nicht mehr klar denken.
Womit wir wieder bei den Panikverstärkern wären, Fernsehen, Radio, FB und Co.
Ich muss mir die Frage-Antwortsendungen ja zwangsläufig reinziehen, bevorzugt, wenn ihre Schwester im Haus ist und da ärgere ich mich von Tag zu Tag mehr über die Wortwahl, welche die Fragebeantworter an den Tag legen. Denke, jo Arschloch, das hätte man auch präziser verständlich, mit weniger Superlativen und einer Wortwahl ausdrücken können, die die eh schon hysterischen Zuhörer nicht noch hysterischer macht.