Jo, wünsche jedem was er sich so wünscht. Es muss nicht zurückgewünscht werden. Hab nichts an Weihnachten, ist mir zu rührselig, zu sentimental und zu geschäftlich. Krieg hier gottseidank nicht soviel mit. Ist auch anders. Den ganzen Abend knallen draussen schon die Feuerwerkskörper. Morgen gibts hier fröhliche Umzüge für Kinder. Erinnert aber mehr an Karneval. Geschenke gibts eh erst zu Dreikönig.
Aber weils gerade so schön zu Weihnachten passt: Geht hier schon den ganzen Tag durch die Nachrichten. Im Land des Lärms, der Discos auf vier Rädern, die mehr Lärm machen als ein startender Jumbo, wo in den meisten Knatterkisten mit zwei Rädern der Schalldämpfer fehlt und die Polizei das alles ignoriert, gibt es ein Mädel, so 24 oder 25, die will unbedingt eine grosse Pianistin werden und hat die Nachbarn täglich 8 bis 10 Stunden mit ihrem Geklimper auf dem Flügel genervt. Verständlich, dass die sich irgendwann gewehrt haben. Jetzt stand sie deswegen vor Gericht und wurde auch verurteilt.
Na, was gibts wohl für sone Art von Ruhestörung? Hier war wohl ein Richter in Weihnachts- und Geberlaune und verurteilte sie zu 7 (in Worten: SIEBEN) Jahren Gefängis. Für 500 Kilo Schoko gibts je nach Gegend ein bis drei Jahre, machmal auch auf Bewährung. In Protugal schenkense dafür 20 bis 25 Jahre ein. Das ist das Schöne an Europa: Mehr oder weniger überall das gleiche Rechtsverständnis. Über das Urteil entrüsten sich sogar die einstmals genervten Nachbarn.
Dem Mädel braucht im Moment niemand mehr frohe Weihnachten zu wünschen.
Es ist schon was dran, dass Afrika bei den Pyräneen anfangen soll.