Ich weiß zwar nicht, wie Du abmahnst oder abgemahnt wirst, aber ich ging noch nie mit einem Minus aus einer ungerechtfertigten Abmahnung raus.
Wenn mich einer abmahnt, kann mir der schon einen Brief auf Deutsch schicken. Er mahnt aber nicht mich, den Deutschen, sondern ein litauisches Unternehmen ab. Ich bin nur der Geschäftsführer und kenne mich mit sowas nicht aus. Also schicke ich das an den das Unternehmen vertretenden Anwalt. Der kann kein Deutsch, muss das also übersetzen lassen. Der hat keine Ahnung von Abmahnungen. Also beauftragt er 3. Anwälte. Die sitzen halt in Deutschland. Deshalb muss auch dieser Schriftverkehr übersetzt werden. Zurück ebenso.
Und was den Gerichtsstand anbelangt: Meist schreiben die Gegner schon rein, dass ihr Gerichtsstand gilt, wenn nicht widersprochen wird.
Und da widerspreche ich natürlich nur, wenn ich weiß, dass es eng werden könnte. Denn dann hab ich hier in Litauen den Heimvorteil und gewinne automatisch.
Das mit dem Gerichtsstand ist mir also schon klar: Aber den Abmahnern wohl nicht. Und ich halte die sicher nicht auf, sich ins Unglück zu stürzen.
Und wegen der Kosten: Meine Auslagen will ich selbstverständlich wiederhaben. Und wenn der die nicht freiwillig zahlt, dann drohe ich mit Klage. Und da hat bisher noch jeder bezahlt.
Als es da mal Stress mit meiner Aussage: "Dieser Seidenchiffon ist exklusiv bei uns erhältlich" hatte, beauftragte ich jemanden aus dem litauischen Materialprüfinstitut. Der flog dann nach Italien zu der Weberei, die mein Garn damals gewebt hat. Der brauchte Reisekosten, Übersetzer. Ein Notar wurde in Italien hinzugezogen, der Gespräche zwischen ihm und 2-3 Mitarbeitern protokollierte. Dann mussten sündhaft teure Fotokopien gemacht und beglaubigt werden...
Wenn ich eines kann, dann scheinbar nötige Kosten zu verursachen und mir die dann wiederholen.
Die einzigen, die mich regelmäßig in Litauen verklagen (die mahnen nicht ab), sind die Anwälte von Pantone.
Und die verlieren jedes Mal in Bausch & Bogen. (Wg. Heimvorteil und so.)
>>Die Anzahl Deiner Konkurrenz in Deutschland hält sich ja in Grenzen. Interessanterweise ist da ein Anwalt dabei der offenbar auch einen Seidenhandel betreibt und interessanterweise hockt der auch noch im Hamburg.<<
Ach der. Das ist der Bruder vom Chefe. Jo. Mit denen komme ich gut aus. Die haben mich vor 12-13 Jahren gefragt, ob wir nicht unser Lager zusammenwerfen wollen, um mehr Gewinn zu machen. Aber da war ich schon fast auf dem Weg nach Litauen.
Und außerdem überschneidet sich unser Angebot kaum - wir nehmen uns keine Kunden weg.
Und ja: Da ist wenig Wettbewerb vorhanden. Das hat mich auch 15 Jahre gekostet, die Kollegen wegzumachen.