Ok, früh am Morgen. Vorab mal. Im ersten Post von Cura ging es eigentlich um die Schriftform und weniger um das komplexe Thema gendern / Gleichberechtigung an sich. Das ist ja viel viel mehr und macht es noch komplizierter.
Schau doch bitte mal das Video an,
Vorab. Ich habe es nun gesehen.
Wie schon gesagt, ich gehe mit dem was Du sagst konform. Ich wäre auch einer der letzten, der das anders sieht. Aber um mal wieder bei der Sprache zu bleiben.
Gestern eine Pressemitteilung des Energieversorgers hier: ".... Die neue Linie 6 wird 28.000 Studierende, Schüler und Angestellte befördern ...." Aha, aus Studenten wurden also "Studierende". Warum sind Schüler und Angestellte unverändert? Müssten das dann nicht "Schulende" sein? Nee, nicht, wäre ja genau das Gegenteil. "Lernende" vielleicht? Auch nicht, denn das wären Studierende ja auch, also doppelt.
So, das auch noch. Meine Webseite "Hund und Herrchen". Mir liegt doch tatsächlich eine Beschwerde einer mir unbekannten Frau vor, weil meine Domain "Herrchen" heißt und nicht Frauchen. Ich soll das sofort ändern, wäre diskriminierend. So was kann ich nicht mehr ernst nehmen, sorry. Entsprechend meine Antwort, ob ich sie denn dann in "Hund und Frauchen, Herrchen und Diverschen" umbenennen soll. Leider kam keine Antwort mehr.
So. Was ich hasse ist nicht die Gleichberechtigung oder das Thema. Das ist richtig und wichtig. Was ich hasse ist diese sinnlose Forderung, alles ändern zu wollen und da vor allem eben die Sprache. Umso schlimmer, je mehr da gemacht wird und es keinen Sinn ergibt oder nicht klar ist, was man nun wie macht und warum. Alleine schon so was: Studenten und Studentinnen. Ok, passt so. Daraus wird aber: Student:innen.... Reicht nicht, dann gibt es noch: Student::innen, Student*innen, Student**innen und StudentInnen. Können die sich mal entscheiden? Ach so, fast vergessen, gibt ja noch etwas: Studierende! Wobei das sogar ein schlechtes Beispiel ist, denn das Wort "Student" ist in der neuen Kreation ja zumindest noch enthalten.
Also für die gleiche Sache 5 neue Schreibweisen!
Nun das Video. Inhaltlich und sachlich stimme ich zu, bis auf ganz wenige Dinge. ABER: Sprachlich ist es durchgefallen! Warum? Siehe oben. Gerade bei so einem Video muss ich noch mal die Frage stellen: Können die sich mal entscheiden?
"... 10 Studierende sollten ihre Idole nennen ..." Ok, also Studierende. Kann man mit leben. Auch die These dahinter ist verständlich. Wenn man nach "Musiker" fragt, ist nicht unbedingt klar, was gemeint ist. Könnte in der Tat nur ein männlicher sein. Wobei das dann mit der These aber doch nicht ganz passt, denn wenn man darüber nachdenkt, ob nun männliche oder weibliche Musiker, dann hat man ja darüber nachgedacht. Also genau das getan, was dieser Test widerlegen wollte.
Wenn man nach "Musiker" fragt, werden sicherlich die meisten männlich, aber auch weibliche dabei sein. Wie erwähnt, es ist hier nicht klar, was gemeint ist, denn es ist ein Gruppenbegriff. Fragt man nach Musikerin ist es klar, da wird kein männlicher kommen.
Das mit dem Vertrag: Wenn da steht "Kunde / Kundin", dann ist das ja in Ordnung. Das ist aber eben was anderes als "Kund:innen", "Kund**innen" etc. Und, wer oder was ist ein "Kund"? Siehe oben, "Student:innen", da war das Wort zumindest noch vollständig.
Weiter wird "Mitarbeitende" erwähnt, um dann wenig später zu sagen: Und ihren "Mitarbeiter:innen". Warum nicht "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" oder eben, wie vorher, "Mitarbeitende"?
Ebenso: .... In Hamburg, im Leibniz-Institut für experimentelle Virologie gibt es Forscher, die das Rätsel..... Das sind nun also "Forscher". In den nächsten Bildern sind 1 Mann und min. 2 Frauen zu sehen. Warum also Forscher und nicht Forscher:innen etc. oder Forschende?
... Die Lösung liegt für die Forschenden des hamburger Teams ..... Jetzt auf einmal, im gleichen Abschnitt, immer noch das Institut in Hamburg, sind es dann doch "Forschende".
Merkste was? Was hier für ein Chaos entsteht. Und das finde ich völlig sinnlos.