Verbraucher sorgen sich um lokalen Handel – und kaufen online

  • Es war nie anders. Wenn es um die Bequemlichkeit geht hält sich das Mitleid in Grenzen.

    Und sind die Innenstädte mal so schön verödet, dass man ab Dunkelheit nicht mehr reingehen kann ohne um sein Leben fürchten zu müssen, kommt der Ruf nach der Politk, die das gefälligst wieder ändern soll.


    https://www.heise.de/news/Verb…aufen-online-4965815.html

    Die zehn Gebote sind deswegen so kurz und logisch, weil sie ohne Mitwirkung von Juristen zustande gekommen sind. > Charles de Gaulle

    Einmal editiert, zuletzt von cura ()

  • Da muessen die haenlder jetzt wohl durch. In den 90ern hatte ja auch keiner mitleid, als 10km hinterm stadtrand auf der wiese supermaerkte und grossmaerkte aufgemacht haben, und die kleinen haendler im zentrum wegen miete und haendlerkonditionen nicht mithalten konnten.

    Diese haesslichen hallen vor der stadt standen schon nach ~10 jahren wieder leer, weil die leute wohl keine lust mehr hatten zum einkaufen immer erst 20 minuten "aufs land" und wieder zurueck zu fahren.


    Das problem ist imho ein anderes. Leute arbeiten nichtmehr in der stadt, sondern ausserhalb wo die mieten fuer betriebe billiger sind, und wohnen auch ausserhalb wo die wohnungsmieten billiger sind. Die leute kommen frueh oder abends nichtmehr ueber oeffentlichen nahverkehr zwangslaeufig durch die stadt, weil sie zwischen arbeit-wohnung pendeln und kleine besorgungen auf dem arbeitsweg (eben abseits der stadt) machen.

    Heute macht sich einfach keiner mehr die muehe in die stadt zu fahren um einzukaufen. Kostenlose Parkplaetze vor den laeden gibt es keine, die paar laeden die man besuchen will sind oft weit auseinander (schlecht wenn die parkuhr laeuft oder es regnet) und inzwischen sind viele innenstaedte auch abstossend: geschaeftsraeume sind leer, oder es gibt ueberall die selben laeden: 1-euro shop, handylaeden, vape-shop, spielhallen mit zielichtigen gestalten, apotheken oder leerstand.

    Fuer besucher ist das derzeitige stadtbild in kleinstaedten absolut langweilig. Man sieht keine leute und die fussgaengerzone wirkt unangenehm leer, die aufmachung vieler laeden wirkt billig bis kitschig mit ihren blinkenden displays (1-euro shops, spielotheken), und die shopauswahl ist langweilig bis uninteressant, weil praktisch jede stadt den selben Telekom, H&M, Douglas, C&A, McDonalds, Starbucks laeden hat. Man kann and andere ende der welt fliegen und sieht dort die selben marken wie in Bielefeld.

    Frueher war es fuer mich immer ein erlebniss wenn die eltern in eine andere stadt gefahren sind weil es dort einen baecker, eiscafe oder laden gab der andere spezialitaeten oder angebote hatte als das, was der lokale baecker vor der haustuer taeglich verkauft hat.

    Heute bekommt man sogar in Tokio weihnachtsstollen aus dem erzgebirge (viel keiner, viel suesser) zu kaufen.


    Es gibt in den staedten heute kaum was zu entdecken, keine schaufenster die alle paar wochen umdekoriert werden, keine schoenen ecken mit schattiger bank zum eis essen wo man am wochenende mal ein paar stunden raus kann um unter leuten zu sein.


    Die kleineren laeden kommen wohl so schnell nichtmehr wieder. Waere gut, wenn die stadt eingreift und erhaltenswerte gebaeude umbaut damit die gegend attraktiv wird: gemeinschaftszentren fuer gruppenaktivitaeten, gemeinschaftsgaerten, kulturangebote, buechereien, indoor rockclimbing - also was wo sich leute gerne treffen und einen guten grund haben die stadt in ihrer freizeit zu besuchen, und was die stadt auch fuer mieter wieder attraktiver macht.

  • Jo, war vielleicht etwas zu allgemein formuliert.


    Um die seelenlosen Zentren grösserer Städte ist es nicht schade. Die müssen wahrscheinlich erst veröden, damit diese ganzen Filialisten verschwinden.


    Mir geht es mehr um die Altstädte und deren Periferie, die kleinen Geschäfte in kleinen Orten, auch die kleinen Anbieter im Internet.


    Wenn ich sehe was die z. B. hier alles bei Amazon bestellen, Klopapier (war hier noch nie knapp), Zahnpasta, Reinigungsmittel, Pfennigskrams und und und.


    Es wär ja mal ein Anfang, wenn die Menschen begreifen würden, dass sie die Steuern zahlen müssen, welche Amazon und Konsorten nicht zahlen.

    Die zehn Gebote sind deswegen so kurz und logisch, weil sie ohne Mitwirkung von Juristen zustande gekommen sind. > Charles de Gaulle

  • Die kleineren laeden kommen wohl so schnell nichtmehr wieder

    Unterschiedlich, hier an der Grenze zu Polen ist bei uns im Ort wieder etwas Leben in unsere Altstadt (wirklich alt in jeglicher Hinsicht), Blumenläden, Friseur, Imbiss, und noch ein paar andere kleine Geschäfte + 1x wöchentlich Markttag. Treibende Kraft sind die Polnischen Händler und Dienstleister. Klingt nicht viel, aber vor 5 oder 6 Jahren gab es nur die Poststelle mit Friseur.
    In der nächstgrößeren Stadt mit mehreren Einkaufszentren ist die Innenstadt top saniert, aber tot. Dieses Jahr dann auch noch ohne Weihnachtsmarkt, da werden sicher wieder einige zuschließen müssen. Rechtsanwälte, Versicherungen und Notare das ist die Innen/Altstadt.

    Thema Altstadt, was seit dem 30igjährigem Krieg erhalten blieb oder wieder aufgebaut und in den Folgekriegen incl 45 noch steht verfällt bis auf wenige Ausnahmen. Ursache Erbengemeinschaften aus den gebrauchten Bundesländern, die entweder kein Interesse haben oder zerstritten und weit zerstreut sind. Mit dem Bürgermeister darüber gesprochen und mit Erstaunen erfahren, auf diese Grundstücke sind durch Anliegerbeiträge zwischenzeitlich so viel Schulden aufgelaufen, dass die Stadt Schenkungsangebote ablehnen musste. Erst wenn Gefahr von den Grundstücken ausgeht, kann über Zwangsversteigerungen enteignet werden. Und die Gläubiger streben keine Zwangsversteigerungen an, weil im jetzigen Zustand nahezu unverkäuflich.

    Frei nach Dieter Nuhr
    Das Internet ist zum Lebensraum der Dauerbeleidigten geworden, die immer einen Grund finden, anderen irgendetwas vorzuwerfen, um sich selbst moralisch zu erhöhen.

  • Gegen vieles könnte mit vernünfigen Gesetzen, Normen gegengesteuert werden, ohnedass es viel kostet. Mal als Beispiel: Erbengemeinschaften, die sich nicht einigen können und deren Streit gegen das Gemeinwohl geht (wozu auch erhaltenswerte Bauten in Altstädten gehören) könnten einfach enteignet werden, derart, dass die Gemeinden berechtigt sein sollen zu verwerten und z. B. zu verkaufen. Die Erlöse könnten bei einem Gericht hinterlegt werden bis die Erben sich geeinigt haben. Bei Bargeld würden die wahrscheinlich ganz schnell eine solche Einigung finden.


    Spekulanten sollten auch, dort wo es gegen das Gemeinwohl geht, Zügel angelegt werden.


    Das Dogma des Grundgesetzes, dass Eigentum auch verpflichtet, verschwindet immer mehr aus dem Gesichtsfeld.


    Endlich mal aufgelöst gehört auch dieses uralte Postabkommen, welches damals Entwicklungsländern bevorzugte Konditionen einräumte und wovon China bis heute extrem profitiert. China ist schon lange kein Entwicklungsland mehr, trotzdem ist es immer noch wesentlich billiger von China aus ein Paket in die EU zu senden, als ein Paket von Hamburg nach Düsseldort zu verschicken.


    >> Mit dem Bürgermeister darüber gesprochen und mit Erstaunen erfahren, auf diese Grundstücke sind durch Anliegerbeiträge zwischenzeitlich so viel Schulden aufgelaufen, dass die Stadt Schenkungsangebote ablehnen musste.


    Da sollte sich der Bürgermeister mal juristisch schlau machen lassen. Schenkungen sind normale Verträge, Angebot und Annahme, bei denen die Konditionen der Schenkung verhandelbar sind.

    Die zehn Gebote sind deswegen so kurz und logisch, weil sie ohne Mitwirkung von Juristen zustande gekommen sind. > Charles de Gaulle

  • Na, ich bestelle auch sehr viel online, eigentlich alles. Im Laden kaufe ich an Nonfood eigentlich nur was, wenn es da gerade spontan Aktionswarte gibt. Der Grund ist ganz einfach. Ich habe keine Lust mich durch die Stadt zu wühlen, zu sehen wo ich was bekomme und dann noch in Läden bin, die einfach keinen Charme haben.


    Hier gab es früher mal den Schumm in der Innenstadt. Das war so ein Alzweckladen. Da gab es Werkzeug, Briefkästen, Glühbirnen, Teppiche, Gardienen und so Zeug. Also alles mögliche, aber kein Essen oder Getränke. In dem Laden ist nun ein H&M. Um nun mal einen Schraubendreher oder eine Zange zu kaufen muss man mit dem Bus eine Stunde lang zu Hornbach und Co fahren. Die sind alle da oben am gleichen Fleck, keine 50 Meter voneinander entfernt.


    Dann gibt es hier den Schrauben-Sepp. Das ist ein Laden, der mir sympathisch ist, mitten in der Innenstadt. Aber viel einkaufen kann ich da auch nicht, denn der kostet ca. das 20-fache als Hornbach! Wenn es aber mal schnell gehen muss und man nicht warten kann, dann gerne.


    Am Bodensee, in einem wirklich keinen Kaff gab es meiner Meinung nach die beste "Einkaufsmeile", die ich je gesehen hatte. Lauter kleine Läden, einige keine 20 qm groß. Der Buchladen Papyri, mein Liebling. Sehr klein, nicht viel Auswahl, müssen die auch bestellen, aber eine Atmosphäre, wo man eigentlich gar nicht mehr raus will. 1000% das Gegenteil von Hugendubel und Co. Oder die Apotheke. Nicht so modern und groß wie die hier in der Stadt, noch die alten Apothekerschränke mit vielen kleinen Türen und es roch nach Holz, nicht nach Krankenhaus.

    Die Städte machen sich meiner Meinung nach selbst kaputt. Die kleinen Läden verschwinden, weil die Mieten zu teuer sind. Die großen sind geizig und modernisieren nicht. Wenn ich mir hier immer die Kaiserstraße ansehe, das ist die direkt am Bahnhof, die also jeder Besucher sofort sieht. Da frage ich mich immer, können die nicht mal die Fassade neu streichen oder ausbessern. Muss da alles irgendwie blinken und wackeln? Wäre es nicht besser, mal mit optischer Schönheit aufzufallen und nicht mit nervenden Gegenständen? Aber so ist die Straße eben, 4 Dönerläden, 3 Handy-Läden, 2 1-Euro-Shops, 5 Boutiquen für Studenten, 3 Fressbuden, 2 Goldankäufer, 3 Brillengeschäfte und 3 Euroshop-Bäcker. Ganz am Anfang einer der besten Metzger der Stadt, am Ende der C&A und dazwischen noch ein Edeka und eine Fahrschule. Die Straße ist potthässlich.

    Don't judge a book by its cover @ Jadyn Rylee
    "Sogar ein Mann mit reinstem Gemüt, der Gebete sagt jede Nacht, kann zum Wolf werden, wenn die Wolfsblume blüht unter des Mondes goldener Pracht"

  • Dass in grossen Städten die Kerne veröden wird sich nicht verhindern lassen. Und warum sollte man das auch verhindern wollen? Was man nicht veröden lassen sollte, sind die Kerne der Viertel aus denen viele oft gar nicht rauskommen, raus wollen.


    Viele kleinere Städte sind gerade mal so gross oder kleiner als die Viertel in Grossstädten. Da sollte schon darauf geachtet werden, dass da die Stadtkerne nicht veröden. Wenn alles um einen herum verödet und tot ist, wohin soll man dann, wenn man mal raus will? Das Sehen und gesehen werden gehört seit Urzeiten zum Menschen dazu. Was nutzt das schönste Kleidchen von Zalando, wenn man es zwar zeigen kann, aber niemand da ist der es sieht.


    Wer es sehen will sieht es doch wohin es führt, wenn wir aus Bequemlichkeit die Grossen immer grösser werden lassen. Amazon reisst immer mehr Geschäftsfelder an sich, in den USA fangen sie jetzt aktuell an die Apotheken zu verdrängen. Kleine Händler sind bei ihnen nur wohlgeduldet, solange sie keine Umsätze machen, welche die Begierlichkeit des Kraken weckt. Ist diese geweckt sind sie raus aus dem Geschäft.

    YT fängt jetzt an die Milliarden von Videos zu vermarkten, welche ihnen kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden. Die Schmarotzermenthalität wird immer erkennbarer. Wen juckts noch? Mittlerweile sind sie zu gross zum Fallen.


    Ich plädiere ja nicht dafür alles sofort sein zu lassen, sondern zu versuchen das Prinzip "leben und leben lassen" anzuwenden, sich z. B. zu überlegen, ob ich etwas was ich begehre oder brauche unbedingt ne Stunde später im Haus haben muss.


    Die nächste "Perversion" kommt ja jetzt ausnahmsweise nicht aus den USA, sondern aus China: Man muss es sich zuerst verdienen etwas überhaupt kaufen zu dürfen.

    Die zehn Gebote sind deswegen so kurz und logisch, weil sie ohne Mitwirkung von Juristen zustande gekommen sind. > Charles de Gaulle