Inflation 8%?

  • Wenn ich mir die Tabelle in der Mitte des Artikels ansehe frage ich mich wie die statistischen Ämter auf eine Inflationsrate von nur 8% kommen. Zumal die dickern "Brocken" das sind was die Geldbörsen leert.


    Inflation macht Grundnahrungsmittel deutlich teurer
    Mit 7,9 Prozent erreicht die Inflationsrate im Mai den höchsten Stand seit fast 50 Jahren. Grafiken zeigen, welche Produkte zuletzt teurer geworden sind. Und…
    www.spiegel.de

    "Journalismus bedeutet, Sachen zu drucken, die jemand nicht gedruckt sehen will. Alles andere ist Werbung",


    William Randolph Hearst > Verleger

  • Jetzt fängst Du auch noch damit an. Ja, in der Tabelle ist vieles teurer, die Tabelle zeigt aber auch quasi nur das mit der größten Verteuerung an. Schau Dir die Liste mit den Gütern an, allen, die für die Inflation genutzt werden, dann haste auch Deine 7,9 Prozent. Es geht schließlich um "Inflation" und nicht um "Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie".

  • Wer hat denn noch damit angefangen?


    Inflation ist ja das was dauernd angeführt wird und nicht das, was den Menschen wirklich wehtut, nämlich die Preissteigerungen beim Alltäglichen, was jeder braucht, wenn er sich das nicht mehr leisten kann, was wohl die Inflationsrate drückt. "Du gibts mittlerweile viel mehr Geld für Lebensmittel aus? Strom und Gas ist auch sehr teuer geworden? Die Nebenkosten Deiner Wohnung sind mittlerweile höher als die Miete? Du musst mittlerweile mehr als das doppelte für Sprit ausgeben, um zur Arbeit zu kommen? Du gibst mittlerweile für diese Sachen mehr als 20% mehr aus als noch vor einem Jahr? Beruhige Dich. lt. Inflationsrate ist Dein Geld lediglich 8% weniger wert, alles andere ist gefühlt".


    Was ist denn gleichgeblieben oder gar billiger geworden was die Inflationsrate auf einen so niedrigen Wert drückt? Uran, Platinium, Gold, Klamotten in Secondhandläden? Nee, Gold kann es nicht sein, dass wird auch immer teurer. Logischerweise.


    Wenn ich mir den "Warenkorb" hier ansehe, der zur Berechnung herangezogen wird, kann ich nichts erkennen was wirklich billiger geworden wäre oder auch nur stagnieren würde. Woher also die Inflation von 8%, wenn die Dinge des täglichen Lebens fast bis zu 30% teurer geworden sind?


    https://www.inflation-deflation.de/warenkorb.html

    Auch spielt die Gewichtung keine unerhebliche Rolle, es macht schon einen Unterschied, ob man Lebensmittel mit 10% am Anteil im Warenkorb annimmt oder 20% ansetzt, wie es sofort der Fall sein dürfte, wenn die Menschen weniger Geld zur Verfügung haben. Ein Warenkorb in Echtzeit würde wahrscheinlich eine Inflation zeigen, die weit über den z. Zt. angegebenen 8% liegt.

    So ist jetzt z. B. dieses 9Euroticket ein wunderbares Instrument die Inflationsrate zu verniedlichen. Verkehr macht schliesslich am Warenkorb 13% aus.

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  • Na auf Facebook läuft das schon seit Tagen mit immer wieder den gleichen Kommentaren. 100% Übereinstimmung mit Deinem ersten Post.


    Es geht nunmal um die Inflation. Ja, ist hoch, aber nicht für jeden gleich hoch, denn nicht jeder ist davon genauso betroffen. Manche mehr, manche weniger. Nennt sich dann "Persönliche Inflation". Hier geht es aber bei den Zahlen um die "Inflation" und die hat feste Bestandteile, denn nur so kann man sie vergleichen.


    Und doch, man kommt auf die 7.9%, auch bei der von Dir verlinkten Quelle.

    https://service.destatis.de/Voronoi/PreisKaleidoskop.svg


    Nimm einfach den Mittelwert der "Preisänderungen" und fertig, 7,9.


    Und noch mal doch, die Gewichtung ist extrem wichtig!!!! Nimm Energie / Wohnen. Das als ganzer Block hat selbst nur eine Gewichtung von 32,5% und die Einzelwerte unterscheiden sich sehr. Gas, bei mir extrem teuer geworden, heute erst die neuen Gebühren bekommen (Strom auch), geht aber nur mit 2,5% in die Gesamtberechnung ein. Strom, auch sehr teuer in letzter Zeit. 2,6% Gewicht.


    Dagegen z.B. Telekommunikation. Gewicht 2,2%, also vergleichbar, aber eine Preissenkung von 0,9%.

    Alles was Gelb, heller oder blau ist, liegt deutlich unter den 7,9%. Nur orange und rot liegt bei dem Wert oder deutlich höher. Aber rein optisch von der Farbfläche, rot und orange sind nicht am stärksten vertreten.


    Wie oben gesagt, "persönliche Infaltionen". Sieht man gut an "Verkehr". Betrifft hier wohl alle, mich nicht. Aus dem Block habe ich nur ÖPNV und das mit einem Gewicht von 0,1% und auch noch günstiger geworden.


    Dein Angesprochendes 9-Euro-Ticket ist in der Berechnung gar nicht drinnen, aber wenn es drinnen wäre, dann als Schienenverkehr mit einem Gewicht von 0,5%. Das wird aber wohl nie reinkommen, denn das ist kein definiertes Produkt in dem Sinne. Da sind ja auch keine Sonderangebote einzelner Läden drinnen oder "huhu, wir verschenken heute Äpfel".


    Und, die Grafik ist nicht schlecht, aber das ist halt auch nur ein "Sortiment". Es gibt richtige Listen, da sind dann die Produkte aufgeführt. Da stehen glaube ich alleine 10 verschiedene Milchsorten drinnen, was hier alles als "Molkereiprodukte und Eier" kombiniert ist.


    Und ja, wenn man nach dem Einkaufen geht, dann würden sich die Gewichtungen ändern. Es geht aber um eine definierte Anzahl und Produkte, sonst kann man das nicht vergleichen.


    Frisches Geflügelfleisch +27%

    Tiefgefrorenes Geflügelfleisch +23%

    Kaninchenfleisch oder anderes Wildfleisch +1% !!!


    ^ ^man muss also Kaninchen essen !


    Und man kann das eben nicht dynamisch anpassen, weil es eine feste Auswahl sein muss. "meine" Nudeln wurden auch "nur" 30 Cent teurer, andere hingegen 80 oder gar 1,20. "Meine" Milch kostet 8 Cent mehr als vorher, andere hingegen das Doppelte. "Meine" Butter kostet das doppelte als vorher, andere Markenware das 4-Fache. Und genau deswegen sind die Warenkörbe definiert und ändern sich nur alle paar Jahre. Bin mir nicht sicher, glaube alle 5 Jahre oder so. Die letzte Anpassung war je erst.


    Was zum Spielen.... Persönlicher Inflationsrechner: https://service.destatis.de/inflationsrechner/index.html

  • Was Du Dir immer eine Arbeit machst. :thumbup:

    So ins Detail zu gehen wäre mir mittlerweile dreimal zuviel. Mir liegt das analytische Denken in Zahlen so gar nicht, macht mir einfach keinen Spass A mit B zu vergleichen und das dann mit C. Das dürfte aber ner Menge anderer Menschen ähnlich gehen.


    Aber auch Deine tiefgreifende Analyse lässt letztendlich nur den Schluss zu, dass die Vielwendung genau genommen zu wenig taugt, wenn sie pauschal für alles Mögliche herhalten muss. Genausogut könnte man die Temperaturangabe eines Wetterberichts auf "In Spanien haben wir morgen eine Durchschnittstemperatur von 29 Grad" verkürzen. Nur, wir hatten gestern hier 42 Grad, an der Küste im Norden waren es gestern 20.


    Normalerweise müsste jedesmal dabeistehen: "Bei Nichtverstehen der Auswirkungen auf bestimmte Lebensbereiche fragen Sie.....". Ja, wen eigentlich? Dich, Syno?

    Und klar, führt ne Pauschalangabe wie die Inflationsrate immer dann zu Diskussionen, wenn die gefühlte und sich tatsächlich in den Geldbeuteln vieler bemerkbar machende Geldentwertung ne ganz andere Sprache spricht. Da wäre es schon sinnvoller diese Inflationsrate dann zumindest mal in grobe, verständliche Einzelbereiche zu zerlegen. also z. B. "Inflation im Bereich Lebensmittel, alles was man essen und trinken kann". Der Einzelne würde dann vielleicht verstehen, warum er stärker betroffen ist als andere.


    Die Inflationsrate ist nicht das Maas aller Dinge, wird aber als solche herausgestellt. So sieht der sozialistische Arbeitsminister für seine "gigantische" Rentenerhöhung ab dem nächsten Monat, für die er sich gerne ne Feder in den entblössten Arsch stecken und einen Freundestanz ums Lagerfeuer abhalten würde, lediglich ne kleine Diskrepanz von so zwei Prozent. Verständlich, dass die Menschen mit den kleinen Renten das gar nicht lustig finden und nachfragen, wieso sie bei nur 2% Differenz dann plötzlich viel mehr Monat am Ende des Geldes haben als vorher.


    Und die Sozialhilfeempfänger haben jetzt wegen der 9eurotickets "ungerechtferigt" mehr Geld zu Verfügung und sollen zur Kasse gebeten werden, zurückzahlen, ist ja ungerechtfertige Bereicherung. So jedenfalls die Behauptung. Das könnte ja auch als nichbeabsichtiger Inflationsausgleich gesehen werden. Geht aber mit dem deutschen Hornochsenverständnis der Entscheider nicht konform.


    Gut, hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun, ich finds nur mal wieder abstossend typisch deutsch, dass die jetzt wohl deswegen anfangen hinter jedem herzuschnüffeln.

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  • Das geht sicherlich sehr vielen Leuten so. In vielen Fällen ist es aber leider auch kein "nicht können", sondern schlicht ein "nicht wollen". Merkt man spätestens daran, wenn man es für andere macht, und es sie dennoch nicht interessiert.


    So eine Liste muss fixiert sein, sonst geht es nicht. Anpassen muss man auch mal, aber dann wirbelt es die Listen durcheinander und eben überall stehen "Warnungen", dass sich die Berechnungsgrundlage geändert hat. Also da muss man dann umrechnen oder umrechnen lassen, ansonsten kann man vergleichen.


    Ist doch wie mit meiner Versicherung. Wenn die jedes Jahr einen anderen fiktiven "Renditewert" ansetzt, dann sind die Hochrechnungen alle für die Katz, weil man kein Jahr vergleichen kann. Würde immer der gleiche wert genommen werden, dann könnte man es machen. So rechnet z.B. die Hochrechnung auch noch zusätzlich mit einem "Garantiezins", also nicht nur Rendite von Fonts. Nur, meine Versicherung hat überhaupt keinen Garantiezins, die hat schlicht gar keinen Zins, denn das ist eine reine Fonts-Geschichte. Aber selbst so könnte man den Wert nehmen, würden die nicht jedes Jahr wechseln. Einmal mit 1,5, dann 2,5, dann 2, dann 1,75 etc.


    Das mit der Temperatur könnte man so machen und wäre ein Vergleich, wenn, ja wenn.... Wenn sich alle Spanier oder die große Mehrheit auch entsprechend das Jahr über in ganz Spanien aufhält und nicht nur im Norden oder Süden. Wobei das aber dennoch nicht ganz passt, denn Dein Beispiel gibt eine feste Temperatur vor, keine Änderung. Korrekter wäre es, wenn man sagen würde. "Morgen hat es in Spanien 2,5 Grad mehr". Dann wäre es wie Inflationsrechnung, aber eben unter der Voraussetzung, dass jeder dann auch überall ist oder zumindest im Schnitt beteiligt. Ist man das nicht, hält sich also immer nur in einem Ort auf, dann ist man quasi abweichend vom Durchschnitt und somit kommen dann viele Punkte rein (hier z.B. die Temperaturänderung im Norden), die einen gar nicht betreffen.


    Die Gewichtung ist ja z.B. nicht nur ein erfundener Wert, da geht es ja auch um Faktoren wie oft man was kauft im Durchschnitt. Eine Winterjacke kauft man z.B. seltener im Jahr als eine Packung Käse. Manche Produkte in der Liste kaufen einige gar nicht, andere täglich. Gibt da sogar Produkte drinnen, bei denen weiß ich noch nicht mal was das ist ;)


    Und ja, das ist alles nur ein grober Wert über alles für alle. Das ist aber der Sinn der Sache. Ein Sortiment, das für alle angewendet werden kann. Um es vorwegzunehmen. Ja, es betrifft eben nicht jeden gleich. So gehe ich z.B. davon aus, dass Du oder auch andere hier wesentlich mehr Hundefutter kaufen als ich, oder Schuhe, oder Ausgaben für Kinder haben. Es gibt in der Liste z.B. auch den Punkt "Schuhreperatur".... Ich war in meinem ganzen Leben noch bei keinem Schuster. Interessiert mich also nicht, ob der teurer wurde oder nicht. Andere, die ohnehin teure Schuhe kaufen, die lassen die vielleicht reparieren, die betrifft es dann.


    Aber es muss eben eine vergleichbare Liste sein und bleiben. Fast oder ähnlich dem Mietspiegel, wobei der sehr regional ist. Allerdings gibt es auch Inflationslisten für zumindest Bundesländer. Und gleich bleiben auch, weil es ja andere Dinge gibt, die an die Inflation gekoppelt sind. z.B. Mietvertrag mit Inflationsbindung. Da kannste ja nicht für jeden Mieter individuell dann einen eigenen "Warenkorb" nehmen im Sinne von: Der eine isst nur Schwein, wurde teurer, der andere Rind, noch teurer. Der nächste geht 3x die Woche ins Kino, die anderen nicht. Der Vierte lebt vegan, hat also andere Produkte als die Fleischfresser, andere fahren mit dem Auto zur Arbeit, manche laufen. Nee, das ist die Auswahl von allem für alle.


    Zwischenanmerkung: Mietverträge mit Inflationsbindung sind ein Open-End. Steigt die Inflation, steigt die Kaltmiete. Aber die Kaltmiete ist Bestandteil der Inflation, also steigt die automatisch auch, dann steigt wieder die Miete ;)


    Für mich passt die Inflation so eigentlich auch nicht, ich bin nicht der Durchschnitt. Ich lebe eigentlich mehr oder ausschließlich im Bedarf der Grundversorgung für einen Single, ausgenommen Benzin und Heizöl. Ich könnte also auch sagen, wenn ich auf meinen Einkaufzettel und mein Konto schaue "7,9%??? Niemals, das passt hinten und vorn nicht". Ja, weil ich dann persönlich auf meinen eigenen individuellen Warenkorb betrachten würde und nicht den offiziellen der breiten Masse. Und das würde für einen persönlich dann auch nur gehen, wenn man immer das Gleiche kauft, also nicht "vorher immer" die Markennudeln und weil die dann zu teuer wurden, einen günstigeren anderen Hersteller. Dann würde man ja quasi ständig den Warenkorb ändern und ein Vergleich wäre nicht mehr möglich.


    Wobei das bei mir sogar gehen würde, denn ich mache es, wie die offizielle Berechnung. Ich kaufe immer das billigste Produkt. Das wäre dann aber eben die "persönliche Inflation". Was aber viele machen oder denken ist noch nicht mal die, sondern das ist die "gefühlte Inflation". Rein danach gehend könnte ich auch sagen "ist alles doppelt und dreifach teurer als vorher". Klar, weil man eben speziell diese teuren Preise sieht und das "Gefühl" stark darauf aufbaut. Andere Dinge, die man auch braucht, die einem aber nicht direkt vor die Füße fallen oder an die man nicht denkt, die sind im "Gefühl" nicht vorhanden. Das wäre bei mir auch so, wenn ich verstärkt auf Gas und Strom sehen würde. Die neuen Zahlen von gestern sagen voraus, am 1.8.: Gas +100%, Strom +60%. Das ist die dritte Anpassung in 12 Monaten. Wobei das auch nur bei mir so ist. Im Vergleich mit anderen schaut es besser aus. Klar wurde oder wird es extrem teuer, aber andere passten schon viel früher an. Im Schnitt ist selbst mein neuer Tarif dann immer noch einer der 5 günstigsten von seriösen Anbietern.


    Eines der Probleme, und das war oben schon angesprochen, ist durchaus auch die Medienwelt. Da passt sehr gut der Artikel vom Spiegel dazu. Das war auch der, der mehrfach durch Facebook ging. Der Titel ist frei gesagt, scheiße. Der drückt einen schon in eine Ecke / Denkweise, die falsch ist. "Inflation 7,9%", um dann immer direkt von "Grundnahrungsmitteln" zu reden. Klar, die sind nicht 7,9% teurer geworden, sondern viel mehr. Das führt zu Spannungen und Irreführung. Oder eben zu den dann üblichen Kommentaren, wenn man es nicht "verstehen will".


    So was zu schreiben, also Inflation 7,9% ist quasi COICOP-1, um dann gleichzeitig von Grundnahrungsmitteln zu reden. Das dürfte COICOP-8 oder gar COICOP-10 sein. Die Nummern.... Je höher, desto höher ist die "Auflösung". Also aus Bereichen und Gruppen werden kleinere Bereiche und Gruppen, bis man dann am Ende an einem Produkt ist.


    Das wäre wie zu sagen, "Autos kosten 2% mehr", Reifen "100%". Klar, ein Autohändler hat damit wenig zu tun, auch einer, der ein Auto kauft. Einer der nur Reifen kauft aber schon.

  • Wie das mit meinem "Berufsstand" ist scheint bei Dir bis heute nicht im Langzeitgedächtnis angekommen zu sein CC. :P


    Warenkorb, klar. Weiss ja so gut wie jeder, egal, ob nun als diffuses Wissen oder etwas detaillierter macht nun keinen wirklich schlauer.


    100% der Menschen kaufen Lebensmittel, die sind bis zu 30% teurer geworden. Heizen müssten auch 100% der Menschen, da ist auch alles was dazu gebraucht wird erheblich zweistellig teurer geworden. Die grosse Masse muss auch tanken, da haben sich die Preise verdoppelt.


    Das ist ja nichts Gefühltes, die Realität wird sichtbar, wenn das "Spielgeld", das Geld, welches für Sonstiges ausgegeben werden kann, schneller zusammenschrumpft, als ein poröser Luftballon.


    Und dann kommt überall die Inflationsrate ins Spiel, bei Lohnverhandlungen, den Rentenanpassungen, den Zinsen, zur Beruhigung, dass alles nicht so schlimm ist, wie es scheint. Und und und. Und dann stellt sich halt automatisch die Frage wie die eigentlich auf eine niedrige Inflationsrate von z. B. 8% kommen. Antwort: Durchschnittswerte halt. "Ja", denkt sich da einer, der nun 90% statt 70% seines Einkommens zur Lebenserhaltung ausgeben muss "Was interessiert es mich, wenn jetzt Dinge billiger geworden sind, die ich mir eh nie leisten wollte und jetzt auch nicht mehr könnte?"


    Einkommensanpassungen, die sich an der Inflationsrate orientieren, machen die meisten also tatsächlich ärmer. Nicht ärmer wird nur jemand der es schafft seinen "Spielgeldrahmen", das also, was ausgegeben werden kann, aber nicht muss, wieder auf "Normalmass" zu bringen.

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    Einmal editiert, zuletzt von cura ()

  • Ja, so in etwa ist das. Das Problem aktuell ist ja, dass die Haupt-Preistreiber genau die Grundgüter sind. Und ja, da stimme ich Dir völlig zu. Wenn nun z.B. PC-Technik 50% billiger wäre, oder Neuwagen, dann wäre das nur für die interessant, die die verbleibenden "50%" überhaupt noch haben.


    Daher hasse ich auch immer diese Posts ala "so könnt ihr beim Einkaufen oder XY sparen, blabla". Denn auch das können nur die, die vorher nicht schon bei maximaler Einsparung waren. Aber wie Du schon sagst, einkaufen muss jeder. Sparen kann man, wenn man eben günstiger Produkte kauft. Machte man das aber vorher schon, dann hat man diese Option nicht mehr.


    Die Inflation oder eben der Wert ist halt nur ein Wert für den Durchschnitt (Personen und Güter). Der könnte auch 8% sein, aber so gut wie keinen betreffen, geht ja auch. Ist halt nur eine Frage der Güter, die da so viel teurer wurden.


    Die Inflation würde auch steigen, wenn man sagen würde, jedes Haustier, egal ob Hund, Katze oder Vogel kostet 1000,- Steuer im Jahr. Fahrräder wie Autos entsprechend Steuern und Versicherungen. Fahrradhelme werden Pflicht, auf Grund von neuen Sichheitsanforderungen kosten die aber +500%, Lastenanhänger für Räder, weil extrem hohe Nachfrage und Materialknappheit, haben einen Preisaufschlag von +500% etc....


    Das würde also nur eine überschaubare Gruppe an Personen treffen. Am meisten die, die 5 Dackel haben und mit denen im Lastenanhänger mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren.


    Die Inflation kann man eigentlich ganz gut als Indikator nutzen, also bisher. Die Preisunterschiede waren "gering" und großflächig verteilt. Jetzt ist das aber halt nicht so. War das nicht schon mal nach dem Krieg? Jetzt hat man echt das Problem, dass Preissteigerungen eben nicht durch Senkungen ausgeglichen werden im Sinne von "gut, 500 Eur mehr für Lebensunterhalt, dafür kostet Urlaub und Luxus 500 weniger". Jetzt ist man echt an dem Punkt, wo der Lebensunterhalt bei vielen alles andere automatisch "unmöglich" macht.


    Sieht man aber auch immer wieder sehr schön an den Kassen der Supermärkte. Neulich eine ältere Dame, die hatte so einen 6er-Pack "Frühstückseier". Also die gekochten und bunten, die es so gibt. Die werden ja nur im 6er Pack verkauft, sie hatte aber einen mit 4 Eiern drinnen. Passiert hier manchmal, da waren halt welche kaputt und die "halbvollen" sind zum Auffüllen anderer Packungen gedacht. Sie wollte aber den 4er kaufen, weil sie sich den 6er nicht leisten kann. Kasse gegenüber Studenten mit Iso-Trinks von so einem hippen Hersteller, diesen kalten Kaffee-Zeug-Möchtegern-Brühen aus der Kühlung und einen "Trinkbecher" mit diesen kleinen Tomaten.... 3 Artikel, knapp 10 Eur. Kein Problem. Sieht man dann halt. Die einen so, bei den anderen scheitert es an 70 Cent für 2 Eier.

  • Das ist ja nichts Gefühltes, die Realität wird sichtbar, wenn das "Spielgeld", das Geld, welches für Sonstiges ausgegeben werden kann, schneller zusammenschrumpft, als ein poröser Luftballon.

    Inflation ist halt Teuerung von Waren oder Dienstleistungen.

    Im Kapitalismus haben Unternehmer immer schon Ihre Waren bis zur Schmerzgrenze verteuert.
    Und jetzt ist einfach keinerlei Spielraum mehr vorhanden, den Verbraucher noch mehr auszuquetschen.

    D.h., der Verbraucher muss an anderer Stelle auf etwas verzichten. Und genau das merkten jüngst die Erdbeer- und Spargelbauern.
    Dieser Prozess des Verzichts wird aber automatisch weitergehen - das hört nicht einfach mal auf.
    Das hört erst auf, wenn man alles generell verbilligt durch staatliche Regulierung der Preisobergrenzen.
    Gibt man den Leuten Gutscheine, Steuererleichterungen, Helikoptergeld etc., dann erhöhen die Unternehmer sofort wieder ihre Preise, weil es wieder mehr rauszuquetschen gibt.

    Wer zuerst "Datenschutz" sagt, hat verloren.

  • >> Im Kapitalismus haben Unternehmer immer schon Ihre Waren bis zur Schmerzgrenze verteuert.

    Naja, wenn das versucht wird sind die Wächter der Kartellämter meist nicht weit.

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    William Randolph Hearst > Verleger

  • Wie kommst Du jetzt auf die Kartellämter, Cura?
    Die sind nur dazu da Preisabsprachen zu verhindern und erledigen ihre Arbeit eh kaum.

    JEDER Unternehmer wird versuchen, den Preis zu erhöhen. Das ist ein marktwirtschaftliches Gesetz. Das ist Kapitalismus.

    Du bietest Deine Dienstleistung auch nicht zu dem Preis an, der es Dir grade noch erlaubt, nach Steuern und Abgaben, zu leben. Du willst auch mehr. Weil Du eben ein Kapitalist bist.

    Wer zuerst "Datenschutz" sagt, hat verloren.

  • Naja, wenn es so einfach wäre..


    Um schlicht das Maximale herauszuholen bedarf es Absprachen. Das muss man schon unterscheiden von dem Maximalen was der Markt, der Wettbewerb hergibt.

    Ich z. B. hab seit mehr als 20 Jahren dieselben Preise und würde gerne erhöhen. Das verhindert zum einen die Konkurrenz, die aber auch nicht erhöhen kann, es ginge nur mit Absprache, wenn also alle gleichzeitig erhöhen und der Verbraucher das halt schlucken müsste. Zum anderen verhindert es die Regulierungsbehörde (Bundesnetzagentur), weil eine Erhöhung grossteils nicht mir (bei der Konkurrenz dasselbe) zugute kommen würde, sondern den Mobilfunkanbietern. Die verdienten an meiner Arbeit schon immer mehr als ich selbst.

    Die Bundesnetzagentur hatte vor kurzen einige "Reförmschen" in der Ecke durchgeführt. Ausgerechnet die Ecke, die den Providern das meiste Geld, und den Verbrauchern nur Nachteile bringt, hatten sie "vergessen". Ich hab die schon vor Monaten mal auf den "Missstand" hingewiesen und hab, trotz mehrmaligem Nachhaken, bis heute keine Antwort erhalten.

    Könnte was mit Lobbyismus und der Denke zu tun haben "Der Verbraucher weiss das eh nicht, ist unwissend, also kann es so bleiben". Das wäre mal ein neues, interessantes Thema für alle diese Postillien denen die Themen ausgehen. Heise hab ich deswegen mal angeschrieben, aber auch hier, keine Reaktion.

    Ich müsste mal auf FB oder sonstwo nachsehen, ob es da nicht irgendeinen Zusammenschluss gibt wo z. B. freie Journalisten sich austauschen, um vielleicht dort nachzusehen, ob sich jemand findet, der sich des Themas annehmen will.

    Wenn jemand da Wissen hat, her damit.

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  • Dann muss halt mal einer aus Deiner Zunft den ersten Schritt machen und teurer werden. Oder den Preis belassen, aber weniger Leistung bieten.
    Dann ziehen die anderen schon nach.

    20 Jahre dieselben Preise^^ Alter.

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