• Könnte mir vorstellen, dass den Griechen ihre griechischen Abende jetzt, mitte Oktober, auch langsam auf den Keks gehen.

    Wir hatten einen "Ossi", der kurz nach dem Mauerfall "rübergemacht" hatte und sich ne "Zweiraumwohnung" gesucht hatte. Warn ganz Lieber und immer, wenn was fehlte, erbot er sich das morgen zu "organisieren".

    Hat nen bissl gedauert, bis er begriffen hatte, was damit gemeint war: Hier geht man in den nächsten Baumarkt, nimmt sich was man braucht aus dem Regal und geht dann zur Kasse.


    >> Weil viele hier haben momentan deutlich weniger als früher.

    Jo Schnipsel, glaub ich Dir unbesehen. Is aber im "Westen" nicht wirklich anders. Auch hier geht die Schere immer weiter auf. Und das wird noch schlimmer kommen.

    „Arme Kinder sind genauso schlau und so talentiert wie weiße Kinder.“ :thumbup:

    US-Präsident Biden 2019 in einer Rede in Iowa,

  • Zitat von Schnipsel;31577

    aber ich würde jedem Wessi wirklich raten eine Beurteilung der DDR sehr vorsichtig anzugehen.

    :up:
    100% richtig.
    Wenn ich die Berichte und Dokumentationen über den Fall der Mauer und die Ursachen sehe, :wall:.
    Das passt richtig in den Thread über moderne Zensur.
    Selbst meine Sprösslinge, in der Wendezeit oder davor geboren, denken hier war ein Land voller Angst und Schrecken.
    Alles was gezeigt und erzählt wird gab es, aber als Einzelfälle. Es wäre als würde man die Geschichte der BRD auf die RAF Zeit beschränken.
    Zweifelsfrei war der Osten wirtschaftlich am Ende aber auch da werden nur die Extreme gezeigt. Die "Konkursmasse" wurde verschenkt und die Geschichte ist immer die Geschichte derer, die sie schreiben.

    Frei nach Dieter Nuhr
    Das Internet ist zum Lebensraum der Dauerbeleidigten geworden, die immer einen Grund finden, anderen irgendetwas vorzuwerfen, um sich selbst moralisch zu erhöhen.

  • Dann hatte ich das seltene Glück, nur die Einzelfälle kennenzulernen, selbst unsere Verwandtschaft, denen wir ganz früher noch "Kaffeepakete" geschickt haben, bestand nur aus solchen Einzelfällen. (Meine Stiefoma hat sogar "West-Jeans" rübergeschickt, etwas, das mir verweigert wurde, weil zu teuer! Aber im Osten musste man ja den wohlhabenden Westen repräsentieren.)

    Damit will ich NICHT Deine Beschreibung anzweifeln, sondern auf etwas ganz anderes hinaus:
    In einem Land, nennen wir es Fantasia, gibt es Menschen, die haben ihr Auskommen mit dem Einkommen. Von ihnen wird man kaum jemals etwas hören. Andere haben dieses Auskommen nicht, sie schreien irgendwann, Hunger! In Fantasia gibt es Menschen, relativ unauffällige, die haben keine nennenswerten Berührungspunkte mit der Regierung, von ihnen wird man kaum etwas hören. Andere Menschen in Fantasia sind z. B. rebellische Journalisten, die jedes Haar in der Suppe finden, sie schreien Verrat und Zensur, so laut, dass man es auf der anderen Seite der Welt hören wird.

    Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand.

    (Volker Pispers)

  • Zitat von Margin;31590

    bestand nur aus solchen Einzelfällen. (Meine Stiefoma hat sogar "West-Jeans" rübergeschickt, etwas, das mir verweigert wurde, weil zu teuer! Aber im Osten musste man ja den wohlhabenden Westen repräsentieren.


    Ja klar, dann bin ich auch so ein Einzelfall - aber weil es "In" war. Es mussten aber Levis oder Wrangler sein und dann noch ein US Parker dazu, dann war es perfekt, Und wenn ich mal ein paar blaue Fliesen (das Codewort für Westgeld)hatte, habe ich die genau zum Kauf einer Levisjacke verwendet. Das bedeutet aber nicht, dass es hier keine Jeans gab, die sahen für unseren Geschmack einfach nur Scheiße aus.
    Westkaffee hat geschmeckt, unseren konnte man trinken und mit ein bisschen Glück erkennen was es sein sollte (ist jetzt übertrieben) und darum hat Mutter sich über das Weihnachtspaket mit dem Westkaffee gefreut.
    Was ich Dir unterschreiben kann, ist die falsche Vorstellung, die man voneinander hatte. Die "reichen Wessis" waren reich nach unseren Wertmaßstäben, "Westauto", Urlaub, Kleidung. Dass der Mensch sich an seiner Umwelt misst, dass das schicke Auto finanziert war und der Druck, der dahinter steht ein ganz anderer war, wurde mir genau wie der Masse erst klar, als man in der Mühle drin war.

    Frei nach Dieter Nuhr
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  • Was mir zu der Thematik, auch erst jetzt nach Jahren klar wird ist, dass wir hier im Osten es als selbstverständlich angesehen haben, von unseren Wessiverwandten beschenkt zu werden, eben weil wir ganz falsche Vorstellungen hatten. Komischerweise wurden diese Vorstellungen aber von unserer Westverwandschaft, die regelmäßig hier war um Mutter und Geschwister zu besuchen, genährt, gehegt und gepflegt. Warum auch immer.

    Frei nach Dieter Nuhr
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  • Wir kriegten regelrechte Einkaufslisten aus dem Osten, weils denen ja sooo schlecht ging. Was sie alles hatten, stand da natürlich nicht drauf und ich hab beim Packen dabei gesessen und geheult. Die tollen Katzenzungen von Lindt, meine Lieblingsschokolade, die es max. einmal im Jahr zum Geburtstag oder so gab, die ging in den Osten usw. Eine Levis hab ich sogar mal aus dem Paket wieder rausgezerrt, weil ich nie eine hatte, sondern nur die, die Du als "die sahen für unseren Geschmack eienfach nur Scheiße aus" bezeichnest. Aber außer Kloppe hats nix gebracht ^^

    Vielleicht war das Ostbild, das im Westen vorherrschte, dem Osten auch gar nicht so unrecht?!

    Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand.

    (Volker Pispers)

  • Zitat von Margin;31594


    Vielleicht war das Ostbild, das im Westen vorherrschte, dem Osten auch gar nicht so unrecht?!


    Genau dieses Bild wurde ja auch im Westen propagiert und bei uns hat man es im Vergleich gesehen und noch nicht einmal vermutet, dass jemand "drüben" auf etwas verzichten muss, dass dieses Packet auf Reisen gehen kann.
    Ich glaube, dass das historisch gewachsen ist, aus einer Zeit als die Russen hier alles abgebaut und weggeschleppt haben und es hier im Gegensatz zu den Westzonen wirklich noch Butter auf Marken gab und Schmalhans Küchenmeister war.

    Frei nach Dieter Nuhr
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  • Zitat

    Genau dieses Bild wurde ja auch im Westen propagiert und bei uns hat man es im Vergleich gesehen und noch nicht einmal vermutet, dass jemand "drüben" auf etwas verzichten muss, dass dieses Packet auf Reisen gehen kann.


    Diesbezüglich ist mir eine ziemlich markante Situation im Gedächtnis eingebrannt, die eigentlich gar nicht für meine Ohren bestimmt war. Es war nachdem von uns das letzte Paket gen Osten ging. Mein Vater: "Statt danke, kommt, es war die falsche Kaffeesorte". Weitere Pakete wurden nicht gepackt.

    Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand.

    (Volker Pispers)

  • Hatte leider keine Westverwandtschaft - also kannte ich die Sachen nur aus dem Fernsehen, oder Besuchen bei Bekannten und Verwandten, die Pakete bekamen. Gefehlt hat mir eigentlich nichts. Reisen, so wie jetzt, war natürlich nicht drin. Auch Kreta hätte ich wohl nie mit eigenen Augen gesehen ...

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    Heute Kreta im äussersten Osten, eine teils karge bizarre Landschaft, wenn nicht die vielen Olivenhaine wären. Meine zwei Damen im Schlepptau hab ich auf einer 30 Kilometer Serpentinenstrecke in unzähligen Kehren weichgeschüttelt. Die liegen auf ihren Betten und sagen nicht mehr viel - LOL!

  • Na haste sie geschafft, da hast doch heute Sturmfrei und kannst auser Haus mal so richtig den Griechischen Abend genießen und nicht immer zuschauen wenn andere durch das Hotel schleichen mit 3,8 promille im Turm. :D

  • Ehrlich gesagt bin ich nach solchen Touren auch immer nicht mehr besonders unternehmungslustig. Morgen früh um sieben weckert die Klingel, und nach dem Frühstück geht es hoch in die Lassithi Hochebene. Also werd ich wie immer für meine Verhältnisse recht früh schlafen gehen.

    Aber ein paar :beer: gibt es vorher noch.

  • Jo, war gestern zum Stammtisch und bin ca. 24.oo Uhr nachhause. Satte 1 Grad also Bier kommt da nicht so gut. Glühweinzeit bricht an. Ich denke in Sonneberg ist es da auch nicht viel anders.

  • Zitat von cura;31579

    Könnte mir vorstellen, dass den Griechen ihre griechischen Abende jetzt, mitte Oktober, auch langsam auf den Keks gehen.

    nicht wirklich - die wollen ja was verdienen, und dieses Jahr ist das dringender als zuvor. Was die sich wirklich wünschen hat mir ein junges Tankwartmädel neulich beim Tanken erzählt: Regen und das die Hitze endlich vorbei geht. Regen ist gut für die Oliven - nächsten Monat geht die Ernte auf Kreta los.

  • Zitat von wabse;31682

    Ich denke in Sonneberg ist es da auch nicht viel anders.

    Ich will garnicht dran denken, wie das sein wird wenn ich kommenden Montag in Nürnberg aus dem Flieger steige ...

  • Heute im alten venezianischen Hafen von Rethymnon ...

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    Der venezianische Hafen in Rethymnon ist nichts im Vergleich mit dem von Chania 60 km weiter westlich - wir wollen aber mal einen Tavernencheck machen, und hier Essen. Die Kellner sind penetrant. Unangequatscht kommt man an keiner Taverne vorbei. Der Kampf um Gäste tobt ... und teurer ist es hier auch. Wir bekommen frische Fische an den Tisch geschleppt zum Appetit machen, Seebarsch - das Kilo kostet 46€