Warum immer Hektar statt Quadratkilometer?

  • Das frage ich mich schon ne ganze Weile, weil ich mit Hektar überhaupt nichts anfangen kann.

    "Wieder mal 10 000 Hektar verbrannt?" Oder "Eine Fläche von 100 Fussballfeldern?"

    Was hab ich mir unter 10 000 Hectar vorzustellen? Gut 100 Fussballfelder ist da schon etwas weniger abstrakt. Aber welche Abmessung hat ein Fussballfeld?

    Rechne ich es in Quadratkilometer um kriege in ne Vorstellung. Hundert Quadratkilometer kann ich mir vorstellen, als z. B. einen ein Kilometer breiten und 100 Kilometer langen verbrannten Streifen an den ich mit dem Auto ungefähr ne Stunde mit normaler Geschwindigkeit von 100 vorbeifahren könnte.

    Je kümmerlicher die Eidechse ist, desto mehr strebt sie danach, ein Krokodil zu werden.

    Äthiopische Volksweisheit.

  • Gute Frage. So was ähnliches vollte ich schon vor Wochen fragen. Das wäre aber gewesen, warum immer alles in Fußballfeldern. Ich habe keine Ahnung von Fußball und auch keine Ahnung, wie groß das ist. Und wenn ich mir das nachlese, dann sagt es mir dennoch nichts, weil ich es erst umrechnen muss. Meine Frage wäre also, warum nicht in Hektar?


    Wegen mir auch in QKM, egal, beides Maßeinheiten.


    Hektar ist halt eine Bezeichnung aus dem Agrar und dort üblich. Genauso wie viele "Pfund" nicht kennen oder "dutzend".


    1 Hektar = 100x100 Meter = 10.000 qm = 0,01 qkm


    Aber genau das mit den Fußballfelder fragte ich mich auch bei den ganzen Berichten zum Feuer. Auch hier im Wald, da brannten wohl "3 Fußballfelder".

  • Für die, die mit der Materie zu tun haben ist ha schon die richtige Maßeinheit, für die anderen sind die Fußballfelder. ;)
    Also ich (aus der Landwirtschaft kommend) habe bei den ha Angaben recht genaue Vorstellungen, weil Vergleichsgrößen vorhanden sind. Und wer mal einen Morgen (ca 1/4 ha) Rüben hacken mussten, der weiß, dass ein ha sehr groß sein kann. ^^.

    Frei nach Dieter Nuhr
    Das Internet ist zum Lebensraum der Dauerbeleidigten geworden, die immer einen Grund finden, anderen irgendetwas vorzuwerfen, um sich selbst moralisch zu erhöhen.

  • Na, gut, Agrar. Aber ob sich ein Bauer vorstellen kann wieviel 10 000 Hectar sind? Oder 20 000, 30 000? Die Grossgrundbesitzer hier können das sicherlich.


    Aber ich bin normaler Verbraucher von Nachrichten. Und auch wenn ich weiss, wieviel m2 ein Ar ist und weiss, dass ein Hectar 100 davon sind und hundert Hektar wiederum ein Qkm, dann hab ich immer noch keinerlei Vorstellung davon welche Fläsche 10 000 Hektar sind. Ich mus erst anfangen umzurechnen und mir dann die Qkm in einer Fläsche denken, die ich geistig räumlich erfassen und mir vorstellen kann.


    Gut, bei Hektar kann ich mir ja noch vorstellen, dass solche Angaben von irgendwelchen "Amtlichen" kommen. Aber welcher Bürgermeister würde z.B. die Frage eines Journalisten wieviel Land in seiner Gemeinde verbrannt ist mit "So ungefähr 15 Fussballfelder" beantworten?

    Oder wie ich vor kurzem gelesen habe: "In Spanien ist bereits in diesem Jahr eine Fläche grösser als das Saarland verbrannt". Klasse, da musste erst mal auf Wiki gehen um zu sehen wie gross das Saarland eigentlich ist. Gut, weiss ich zufällig ungefähr, so 2600 Qkm oder 260 000 Hektar, 26 000 000 Ar oder

    2 600 000 000 M2.

    Warum können die nicht einfach von 0,6 Qkm oder 10,60 sprechen? Den Unsinn mit den Hektaren haben die ja alle drauf.

    Den noch grösseren Unsinn mit den Fussballfeldern ja auch so einige. Wobei ich mich dann frage, ob die damit angeben wollen, dass sie wissen wie gross ein Fussballfeld ist und dann die Hektar mit dem Taschenrechner umrechnen.

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  • Wird ein greifbares Maß für die Bauern zur damaligen Zeit und so eine Abkürzung sein. 1ha = 10 000 Quadratmeter = 0,01 Quadratkilometer.

    Wieviel hatten die Bauern früher um 19Hdert immer so? 5-6 ha?


    Ist eine schöne glatte einfache Zahl für eine benutzte Fläche.


    Viel Schlimmer finde ich die Zeiteinteilung 60s = 1min, 60min = 1h, 24h = 1Tag. Warum für die s, min und h nicht wie überall 100er-Teilung? Ergibt für mich keinen Sinn.

  • Genau, Hektar ist ein schöner Mittelweg, der recht einfach zu handhaben ist. Ist doch in der Gastro und Co genauso. Da hat man 2cl und nicht 0,02 l. Alles mit Nullen am Anfang ist eigentlich Mist, zumindest wenn nach dem Komma gleich wieder eine Null kommt. Nachkommastellen nur, wenn es unbedingt sein muss, so wenige wie möglich. Und alles irgendwie in kleinere Einheiten umzurechnen, dafür aber dann 6, 7 oder 8 Stellen zu haben, ist auch doof.


    Im Übrigen, auch Grundstücke mit Garten und Co, wenn groß genug, werden häufig in Hektar angegeben. Die wenigsten sagen hier "30.000 qm" Garten. Das sind 3ha und fertig.

  • Viel Schlimmer finde ich die Zeiteinteilung 60s = 1min, 60min = 1h, 24h = 1Tag. Warum für die s, min und h nicht wie überall 100er-Teilung? Ergibt für mich keinen Sinn.

    Historisch gewachsen, ich vermute das gabt die Sonne vor, 12 Monate, das Jahr als größte Zeiteinheit - 12 Stunden Tag - 12 Nacht im Mittel usw. Von der Logik wäre das Duodezimalsystem eh günstiger, aber wir haben nun mal 10 Finger :-).

    Reden aber immer noch vom Dutzend als 12, vom Sechser als einen halben Groschen, wobei ich letzteres kaum noch höre.


    edit hier ne andere Erklärung auch für die unlogische / Tage Woche: https://www.spektrum.de/frage/…-stunde-60-minuten/603909

    Frei nach Dieter Nuhr
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  • Je grösser die Zahlen desto verschwommener die Vorstellung.

    Hier werden mir diese Hektarzahlen i. M. ja täglich um die Ohren gehauen. Dort sind X verbrannt, da Y. Ich höre es und kann mir adhoc keine Vorstellung von der Fläche machen die da verkohlt ist.


    Drei Fussballfelder kann ich mir ja noch irgendwie ungefähr vorstellen, bei hunderten, wie das im Regenwald in Brasilien der Fall ist, schon weniger. Quatratmeter, KM2 sagt mir was, auch noch AR, aber bei Hektar musste ich vor einigen Tagen echt mal nachsehen, ob mein Wissen überhaupt richtig ist.

    Um mir ne Vorstellung machen zu können muss ich mir sowas wie Eselbrücken bauen, jedenfalls bei grossen Zahlen. Um mir hundert KM2 vorzustellen, stelle ich mir einem Streifen von einem Kilometer Breite und 100 KM Länge vor. Als Autofahrer ergibt das für mich eine Vorstellung. Ich weiss mir als Autofahrer vorzustellen, was das fürne Fläche sein muss, wie lange ich brauchen würde an einem Streifen von einem Kilometer Breite und 100 KM Länge entlangzufahren. Wobei wir auch bei der von Lunte beschriebenen Zeiteinteilung wären. In Hektar kann ich mir diesen imaginären Streifen nicht vorstellen.

    Mein Bauernhof in Frankreich hatte 4000 Quadratmeter Land, gestern hab ich das zum erstenmal in Hektar umgerechnet. Aha, 0,4. Eigentlich wenig, wie es mir jetzt erscheint.

    Mir geht es eigentlich um die in den Nachrichten genannten Zahlen und hier ist es so, je grösser desto verschwommener wird es. Es rauscht an mir vorbei, ich weiss, es hat da irgendwo gebrannt, wieviel da verbrannt ist; keine Vorstellung. Würden die, statt von Hektar, von sagen wir mal 5,5 KM2 sprechen hätte ich ne ungefähre Vorstellung ohne gross nachdenken zu müssen: Etwas mehr als ein Streifen von einem Kilometer Breite und fünf Kilometer Länge.

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  • Je grösser die Zahlen desto verschwommener die Vorstellung.

    Hier werden mir diese Hektarzahlen i. M. ja täglich um die Ohren gehauen. Dort sind X verbrannt, da Y. Ich höre es und kann mir adhoc keine Vorstellung von der Fläche machen die da verkohlt ist.

    Sobald du die bewirtschaften musst, hast du eine genaue Vorstellung, wieviel das ist. Und die Bauern habe diese Einheit entwickelt.

  • "Je grösser die Zahlen desto verschwommener die Vorstellung."


    Das ist doch überall so. War doch wie mit den Weizenexporten im Sinne von "300 Millionen Tonnen". Wie viel ist das denn? Die meisten kennen nur die 2,5 Kilo Säcke aus dem Supermarkt. Andere, Bauarbeiter etc, vielleicht nach zumindest andere sehr schwere Dinge, aber von "300 Millionen Tonnen" sind die auch weit weg.


    Gestern hab ich auf "Nat Geo" einen Beitrag gesehen über so einen "künstlichen" See in der Wüste. Entstanden durch Umleitung des Flusses und Deichbruch. Naja, da sind wohl an die 8 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Tag in die Senke geflossen, über 2 Jahre, und haben den See gebildet. Wie viel ist das? Also der Rheinfall hat ca. 300 Millionen am Tag und das müsste ich auch eben erst googlen, obwohl ich schon oft dort war. Es ist viel, das wusste ich.


    Dieser künstliche See soll xxxx qkm groß sein. Sagt mir in dem Fall auch nix. Ein Vergleich mit z.B. "50 mal größer als der Bodensee" würde mir helfen, wobei auch nicht wirklich, denn 50x größer ist auch schwer vorzustellen. Dann gab es Luftbilder, von den Städten dort, der Landwirtschaft drum rum, die sich gebildet hat. Auch schlecht vorstellbar, wenn man keinen Referenzpunkt hat. Bis es dann mal etwas näher ran ging, auf eine der Städte und es dann hieß, die hatte fast 50.000 Einwohner. Ok, das ist dann nicht "so" klein. Halb so groß wie Würzburg. Und wenn die Stadt dort 50.000 Einwohner hatte auf der Fläche, dann waren die landwirtschaftlichen Flächen um diese eine Stadt ca. 10mal größer, zumindest laut Luftbild, was da irgendwie quadratisch, eckig, grün erkennbar war. War ja der Grund, warum der Fluss umgeleitet wurde, die Landwirtschaft.


    Spaß am Rande: Genau wegen dieses Fußballfelder, die mich persönlich immer nerven, wollte ich bei meiner Silvester-Seite einen Counter machen, der nicht in Zeit rechnet, sondern eben in Fußballfelder. Wollte da sogar schon einen Post hier schreiben, denn ich scheiterte irgendwie an der Berechnung ;) Also irgendwas im Sinne von X Stunden sind X Lichtsekunden und bei einer definierten Geschwindigkeit entspricht das bei einer fiktiven Wegstrecke von z.B. Erde - Sonne in "Menschenrechnung" dann xy Fußballfelder, wenn man das in normaler Gehgeschwindigkeit abschreiten würde.... Also so in etwa..... Das Problem ist hier ja der Unterschied zwischen "Zeit" und "entfernung". Aber genau das machtst Du z.B. mit Deinem Gedankenspiel, x qkm ist so uns so viel, bei 1km breiter Strecke und so und so lang mit dem Auto bei Tempo 100 entlang fahren.

  • Also Hektar finde ich OK. Quadratkilometer aber auch.
    Das sollte man irgendwie schon wissen, wie viel ein Hektar (100 x 100 m) ist. So als normalgebildeter Bürger, meine ich.

    Aber heute... :(
    Die Leute haben nicht mal mehr ne Ahnung wie viel Nullen eine Million oder Milliarde hat. Die glauben, dass Lichtjahr eine Zeiteinheit ist und wenn man Doppelzentner oder Gros erwähnt, glauben die, man will sie verarschen.

    Die Leute sind einfach verdummt.

    Wer zuerst "Datenschutz" sagt, hat verloren.

  • Also "Gros" musste ich eben auch erst googlen, noch nie gehört. Auch jetzt nicht, wenn ich die Definition kenne. "Zentner" ist / war hier eine normale Einheit, durchaus üblich. Gerne im Ländlichen, bei Bauern oder auch, woher ich das eher kenne, Baustelle.

  • Mein Nachbar sagte, dass sein Sohn, 17, anfängt nach seinem Handy zu suchen, wenn er wissen will wie spät es ist, obwohl er in der Küche ne analoge Uhr direkt vor seiner Nase an der Wand hängen hat.

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  • Also "Gros" musste ich eben auch erst googlen, noch nie gehört. Auch jetzt nicht, wenn ich die Definition kenne. "Zentner" ist / war hier eine normale Einheit, durchaus üblich. Gerne im Ländlichen, bei Bauern oder auch, woher ich das eher kenne, Baustelle.

    Wobei jetzt grade "Gros" seit dem Mittelalter in Europa ein bekanntes Maß war. Das wird sogar heute noch im Großhandel benutzt. Also zumindest, wenn die Grossisten so alt und verstaubt sind wie ich :)

    Und Pfund, Zentner sind im Deutschen ja schon seit zig Jahrzehnten lt. DIN-Norm abgeschafft. In Österreich auch das "Dezi" bei Dezigramm (10 g) oder noch älter, das Dezihundert (Kilo).
    Muss man nicht kennen, aber schaden tuts ja auch nicht.

    Dann gibts noch lustige regionale Maße: In Litauen gibts z.B. "1 Schuh".
    Das ist das Maß von "irgendwas", was man in einem Männerschuh reinbringt, um damit irgendwas über die Grenze zu schmuggeln.
    Hier kannste in die Metzgerei gehen und 1 Schuh Schmalz ordern und die bringt Dir das.

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  • Habe auch noch zwei, die in meiner Kindheit genutzt wurden und heute aus dem Gebrauch sind: Fuder und Schock.

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  • Und dann gabs auch mal das Kilo für hundert Mark.


    Und den Heiermann für das grösste Geldstück im Umlauf. Zu Markzeiten war das der Fünfer. Mit der Einführung des Euro ist die Bezeichnung wohl verschwunden. Heiermann war von dem Heuermann abgegeleitet, welches Käpitäne den Matrosen in die Hand drückten als Zeichen, dass er angeheuert war.

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  • Gab es bei Zentner überhaupt eine offizielle Norm? War das nicht regional unterschiedlich? Also hier kenne ich das von nem Zentner Kartoffel, das waren 50 Kilo, oder nen Sack Gips, das war ein halber Zentner.


    Was mir aber gedanklich so bei Hektar eingefallen ist. Ist das so gewollt gewesen oder Zufall. Quadratkilometer, ok, das kann ja letztendlich alles sein. Auch eni sehr langer dünner Streifen. Eine Definition gibt es da ja nur als km * km. Hektar ist aber 100m * 100m. Klar, kann man das auch anders nehmen, aber so wird das ja definiert. Also hat man ein Quadrat. Es kommt aus der Landwirtschaft / Forstwirtschaft etc.... Äcker sind in der Regel rechteckig. Keine Ahnung, wie die nun genau sind, aber dieses "Hektar" könnte man "Feld für Feld" eben ganz einfach zusammenbauen, Ergebnis ist immer eine rechteckige Form. Sprich, ein kariertes Papier, 6 "Kästchen" ankreuzen (2x3), man hat ein Rechteck, das aus 6 Hektar besteht, das dann durchaus eine gängige Form eines Ackers hat. Irgendwie denke ich da an Planquadrate, Raster etc.

  • Dann gibts noch "Tagwerk/Mannwerk/Joch". Das war die Fläche, die 1 Mann mit 1 Ochsengespann bewirtschaften konnte.
    Auch in der Freskomalerei gab es ein Tagwerk: Das war die Fläche, die 1 Maler pro Arbeitstag bemalen konnte.
    Das war wichtig, weil die Gehilfen ja den Gips aufbringen mussten und der Maler konnte den Gips nur bemalen, solange er noch feucht war.

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  • Ich kenn den Zentner auch nur als 50 Kilo. Und dann noch den Doppelzentner, halt 100.

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